Ein alter Nazi namens Klaus liegt seit einem „Unfall“, bei dem er von dem Dach seines Hauses gestoßen wurde, in einem „gläsernen Sarg“, einer Art „eisernen Lunge“. Der junge Angelo wird angestellt, um sich um den Kranken zu kümmern. Immer wieder muß Angelo Klaus seine alten Tagebücher vorlesen, die er während seiner Zeit als KZ-Arzt angelegt hat. An den Schilderungen aus seiner Vergangenheit, die das Foltern und Mißhandeln zumeist junger jüdischer Burschen beinhalten, geilt sich der Kranke dann auf. Angelo, der eigentlich von Klaus’ bizarren Sexspielen mit kleinen Jungs abgestoßen wird, ist zugleich fasziniert von der Möglichkeit, Macht über andere zu haben. So wird er zum vielfachen Mörder…
„In a Glass Cage“ gehört –oberflächlich betrachtet– zu jener Sorte von Filmen, die man schnell als krank, peinlich oder schlichtweg als exploitativ abstempeln könnte. Doch Augustín Villaronga hat seine Parabel auf Faschismus und „Fortpflanzung des Bösen“ viel zu kunstvoll gestaltet, um sich den Vorwurf gefallen zu lassen, einen weiteren dieser „Sickies“ in die Welt entlassen zu haben. Die Geschichte wird nicht einfach nur schnell heruntergespult, sondern entwickelt sich in quälerischer Langsamkeit. Die Veränderungen, die Angelo durch die Pflege des alten Nazis durchmacht, werden dadurch viel intensiver und nachvollziehbarer. Die schleichende Bösartigkeit, die von dem an sich zum Agieren unfähigen KZ-Arzt ausgeht, gewinnt zudem zusätzlich an Bedrohung, weil er auf seine faszinierend-schillernde Vergangenheit, ohne Reue zu zeigen, stolz ist und den Jungen bewußt manipulatorisch auf seine Seite zieht. Die verstörenden Bilder um Pädophilie, jugendliche Unschuld und Todessehnsucht lassen „In a Glass Cage“ zu einem gewiß kontrovers zu diskutierenden Psychothriller werden, der in dieser Filmgattung seinesgleichen sucht. Klar, daß Villarongas Film wegen des hierzulande kaum verdaulichen Themas, das ein wenig an Stephen Kings „Der Musterschüler“ erinnert, bislang noch nicht gezeigt wurde. Mit Günter Meismer, David Sust, Marisa Paraderes, Gisela Ecchevajrra u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin