Franks Bewertung

starstarstarstar / 5

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

16.05.2014
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Review

von Frank Trebbin

Tijuana. Ein Familienausflug aufs Land. Felix und Sol erlauben ihren Kindern Adolfo und Sara, dass diese einen Berg besteigen dürfen. Während die Eltern Sex im Auto haben, verschwinden die beiden Geschwister. Doch schon am nächsten Tag tauchen Adolfo und Sara wohlbehalten auf, Erklärungen, wo sie waren, gibt es nicht. Während Felix und Sol versuchen, ihre nicht annähernd perfekte Ehe am Laufen zu halten, verhalten sich ihre Kinder plötzlich immer merkwürdiger. Als man Zeichen dafür entdeckt, dass Sara eventuell bei ihrem Verschwinden missbraucht worden sein könnte, rasten die Eltern aus und töten den vermeintlichen Wüstling. Doch die Wahrheit ist viel böser…

Dieser mexikanische Horrorfilm tut so, als wenn zwischen den seeligen Schock-Kino-Zeiten eines Alejandro Jodorowsky und heute nicht mindestens zwei, drei Generationen Filmemacher herangewachsen wären und als ob es inzwischen auch nicht die selbstironische „Scream“-Strömung gegeben hätte. Mit einer eigenwilligen, staubtrockenen Inszenierung, bei der die mitunter komplett gegen Sehgewohnheiten (oft gibt es abgeschnittene Protagonisten oder nur halb eingefangene Übersichten) eingesetzte Kamera nur teilnahmsloser Beobachter wird, lässt Regisseur Adrián García Bogliano, bei weitem kein Neuling, Erinnerungen an den ungeschliffenen Euro-Horror um Jess Franco und die unbekümmerten 1970er-Jahre-Exploitation-Knaller wie „Ich spuck‘ auf Dein Grab“ und „The Last House On The Left“ wach werden. Schon die Eröffnungssequenz, bei der ruppiger Lesben-Sex und eine derbe Verstümmelung gezeigt werden, gibt den Ton für „Here Comes The Devil“ an, der sich danach zwar an einem roten Faden namens Handlung entlangbewegt, aber nie Spannung und Thrill im Sinne glattgebügelter Mainstream-Unterhaltung liefert, sondern immer den schmalen Grat zwischen Ich-hasse-oder-ich-liebe-solchen-Scheiß beackert. War die ebenso aus Mexiko stammende Sozialstudie „Wir sind was wir sind“ ein Beweis dafür, dass harscher Realismus und klassischer Horror sich durchaus gegenseitig befruchten können, so bringt „Here Comes The Devil“ unweigerlich die Erfahrung, dass man Sex und Gewalt, soweit man sie ohne glorifizierendes Drumherum darstellt, kaum mehr als Garanten für einen in geldlichen Dingen erfolgreichen Film ansehen sollte. Hier stößt diese unheilige Verbindung in ihrer kargen, an billige Porno-Streifen erinnernden Bildmontage definitiv ab – was wohl auch ein Ansinnen der Macher war! Gerne kratzt Adrián García Bogliano dabei aber noch zusätzlich an anderen Tabus, die die (nur mexikanische?) Gesellschaft bereithält: häusliche Gewalt in einer ansonsten sprachlosen Ehe, Inzest, Satanismus etc.. Fazit: ganz schwer zu entschlüsseln, ganz schwer zu verdauen. Auf BD 2,35:1. Mit Francisco Barreiro, Laura Caro, Alan Martinez, Michele Garcia u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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