Review
von Leimbacher-Mario
Macho-Matschköpfe mit Mini-Hirnen machen mich maximal melancholisch
Mit Toxie, den tollwütigen Tanten und ein paar der untypischeren, untrashigeren Troma-Filme wie „Combat Shock“ oder „Def By Temptation“, ist diese nuklear verseuchte Chaos-High School sicher das Aushängeschild von Lloyd Kaufmanns legendärer Trashschmiede, ein fetter Brillie in seiner Krone. Und das Ding funktioniert immer noch höllisch gut! Erst recht mit einigen Bier und Gleichgesinnten ist „Class of Nuke 'em High“ ein Partykracher der ersten Güte. Aus einer friedlicheren, freieren und feucht-fröhlicheren Zeit. Über eine wilde Schule, die direkt neben einem Atomkraftwerk steht (!) und als von dort aus giftige Stoffe überlaufen, nimmt der ohnehin schon verrohte Haufen an Teenagern endgültig monströse Formen an...
Was macht diese Schule der Eierköpfe und Mutanten einen Spaß! Wie eine wahnsinnige Mischung aus „Class of 1984“ und dem hauseigenen „Toxic Avenger“. Immer auf dem Gas, immer oben drüber, immer köstlich daneben, immer den Schalk im Nacken. Kaum mal ein Shot ohne Lacher, Dummheit oder Gag. Auf allen Ebenen, in allen Farben und Formen. Scheiss auf Tabus, kotz auf Niveau, kack auf Klischees. Das war damals das Gegenteil von #MeToo und politischer Korrektheit. Und es tut gut das zu sehen. Der fetzig-käsige Soundtrack läuft fast durchgehend im Hintergrund; die Monster- und Splattereffekte sind überraschend gelungen und wundervoll handgemacht; die amateurhaften, unverbrauchten Darsteller hatten sichtlich Spaß bei diesem schleimigen Schmarn. Es wird ein außerirdisches Tempo vorgelegt und Langeweile ist an dieser Schule ein Fach, von dem man noch nicht gehört hat. Es ist ein buntes Tohuwabohu von nahezu allem, was damals angesagt war. Highschool-Komödie, Creature Feature, Endzeit-Freaks, Party-Postapokalypse, Trashfest - eine Tüte, die vor lauter Körperflüssigkeiten und sympathischem Schwachsinn nahezu minütlich ins Gesicht des Publikums platzt. Und man genießt jeden Tropfen. Zudem gibt es sogar zwei Figuren, die man mag und durchaus als Helden betiteln kann, was in einem Tromatiefschlag auch nicht immer Normalität ist. „Class of Nuke 'em High“ ist ein Highlight im Troma-Katalog und verkörpert deren Art, Ziel und Außenseiter-Optimismus mit am besten. Völlig zurecht Kult in jeder Faser des billigen Zelluloids. „Rock 'n' Roll Highschool“ meets „The Road Warrior“ auf Badesalz mit einer Prise Sozialkritik. Pfui Teufel und Hell Yeah!
Fazit: völlig zurecht (mit Toxie) die Aushängeschilder von Tromaville. Bonkers, bizarr und brutal. Köstlich bis zum letzten Atemzug und Ligen über den wesentlich schwächeren Fortsetzungen, die man fast schon ignorieren kann oder zumindest nur einmal sehen muss. Da gehe ich immer wieder gerne zur Jahrgangsreunion! Einer der besten Partyknaller überhaupt. Uneingeschränkt zu empfehlen für Fans des Abseitigen.