Franks Bewertung

starstarstarstar / 8

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

20.01.2016
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Review

von Frank Trebbin

3. Staffel

Nach Hannibal Lecters Flucht nach Europa muss das FBI erst einmal alle Wunden lecken. Ob nun Will Graham, Jack Crawford oder Psychologin Alana Bloom – sie müssen erst wieder zu sich finden und die Geister der Vergangenheit loswerden. Und das tut jeder auf seine Weise: Während Lecter in Florenz zusammen mit der ihm jetzt verbundenen Bedelia Du Maurier weitere Morde begeht, um seine Spuren zu verwischen, reist Graham nach Litauen, um seinem Gegner einen familiären Gefallen zu tun. Dr. Bloom hingegen wendet sich an den von Lecter misshandelten Mason Verger, um ganz andere Wege zu beschreiten, denn es scheint mehr als möglich zu sein, dass der Multi-Millionär Wege gefunden hat, um Lecter in Italien aufzuspüren…

Die Quote. Zum Schluss waren es die ausbleibenden Zuschauer, die „Hannibal“ zur Strecke brachten. Trotz anhaltend guter Kritiken wird es nämlich keine vierte Staffel mehr geben; inhaltlich ist eh das gesamte Feld zwischen Ridley Scotts „Hannibal“, der litauischen Herkunft Lecters („Hannibal Rising“) und dem Tooth-Fairy-Killer („Blutmond“ bzw. „Roter Drache“) mit der jetzt vorliegenden Season Three abgedeckt, so dass man nunmehr diese abgeschlossene TV-Show als dreigeteiltes monolithisches Kunstwerk betrachteten kann. Doch wie so oft bei filmischen Tryptychen zeigt sich, dass gerade das dritte Stück deutliche Abnutzungserscheinungen aufweist oder aber hastig zu Ende bringen möchte, was man bislang so an losen Enden zusammengesponnen hat. So ist dann auch die dritte Staffel von „Hannibal“ nicht ganz frei davon – und dass trotz der weiterhin konstanten Zusammenarbeit des kreativen Team um Bryan Fuller. Vieles, was man bereits schon gesehen hatte, wird wiederholt und auch Lecters Ausflüge in die Haute Cuisine wirken nicht mehr ganz so elegant sondern wegen einer Vielzahl von übertriebenen Details eher aufgesetzt. Auf der Plusseite ist zu vermelden, dass weiterhin nicht mit Symbolik und Kunstblut gegeizt wird und man eine erlesene Langsamkeit in punkto Ausbreitung der Handlung erlebt, die für TV-Verhältnisse wahrlich ihresgleichen sucht. Apropos TV: während es den Produzenten wohl egal zu sein scheint, mit wie viel detaillierter Gewalt man seine Zuschauer konfrontiert, so legt man im Gegenzug digitale Feigenblätter über die Nacktheit auf historischen Abbildungen (siehe einschlägige Schnittberichte im Netz). Was für eine Verlogenheit!

Doch zurück zu „Hannibal“ selbst: wer die ersten beiden Staffeln aufgrund der kunstvoll fabulierten und inszenierten Welt des allseits geliebten und verehrten Gourmets und Psychologen Hannibal Lecter mochte, wer sich an der Komplexität des Erzählten erwärmen und an der schicksalhaften Wechselbeziehung zwischen Will Graham und seiner vermeintlichen Jagdbeute ergötzen konnte, der wird nicht umhin kommen, auch Season Three als gelungen anzusehen, denn – wie sagte ich bereits in meiner Kritik zu Staffel zwei – das alles ist Meckern auf hohem Niveau. „Hannibal“ ist und bleibt ein herausragendes TV-Ereignis, ein bis in kleinste psychologische Windungen durchkomponiertes Crime-Drama und - zumindest in Teilen - eine gelungene Neuinterpretation des als bekannt geglaubten Stoffes. Bildformat: 1,78:1 und in Teilen 2,35:1. Weiterhin mit Mads Mikkelsen, Hugh Dancy, Laurence Fishburne, Caroline Dhavernas, Gillian Anderson u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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