3D-Review
Der chinesische Kaiser Yong Zheng will sein Reich in das goldene Zeitalter führen und sich mittels moderner Waffen auch eher dem Westen angleichen. Dafür muss er sich von den „Guillotines“, einer verdeckt operierenden Todesschwadron, die einst zur Unterdrückung von Aufständischen gebildet wurde, trennen. Aus diesem Grund werden die „Guillotines“ auf die Jagd nach Wolf, einem Freiheitskämpfer der Han-Chinesen, geschickt – nicht wissend, dass eine kleine Armee, die mit Feuerwaffen ausgerüstet ist, ihnen bereits eine Falle gestellt hat...
Was hätte man aus dieser klassischen Eastern-Steilvorlage, gemeint ist der 1976er „Die fliegende Guillotine“ von Ho Men-Hua, als Remake alles machen können! Splatterige Explotation par excellence, ein episches Schwertkampf-Abenteuer mit vielen Schauwerten oder gar ein Mystery-Thriller im „Detective Dee“-Stil. All das wäre möglich gewesen. Doch Andrew Lau hat sich für eine Art „Keoma“-Version mit erhobenem Zeigefinger (moralinsauer und mit Schlusspointe voller rot-chinesischer Indoktrination) entschieden, denn sein „The Guillotines“ gibt sich über weite Strecken wie ein opernhaftes, pathetisch überhöhtes, stygisches Rätsel, so verschachtelt präsentiert sich Inszenierung wie Inhalt. Trotz eigentlich ganz eingängiger „Last Samurai“-Storyline mit eingebauter Erlöser-Mythologie (Wolf kommt sehr oft in Schlüsselszenen wie Jesus daher) hat es der Zuschauer nicht leicht, die Handlung vollends zu entschlüsseln und dem intriganten Gerangel um die „Ablösung“ der Guillotines bis ins Kleinste zu folgen. Und dennoch: „The Guillotines“ hat unzweifelhaft seine Momente. Sei es nun die versprenkelte Action, die Ausstattung oder aber die eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen, die in der 3D-Version ganz besonders zur Geltung kommen. Apropos Dreidimensionalität: Andrew Lau hat ganz auf die Wirkung von CGI-gestützten, aufgesetzt wirkenden Pop-Outs wie umherfliegende Funken, spritzendes Wasser oder umherschwirrende Pfeile gesetzt, wobei man dabei allerdings feststellen muss, dass die gepixelten Guillotinen am bescheidensten aussehen. Netter Versuch. Auf BD 2,35:1 und – wie beschrieben – in 3D. Mit Huang Xiaoming, Ethan Ruan, Li Yuchun, Shawn Yue u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin