Nur noch wenige Stunden, dann soll die achtköpfige internationale Crew um Commander Brunel, die auf dem roten Planeten eine Forschungsstation errichtet hat, von ihrer Marsmission abgeholt werden. In letzter Minute noch will der Russe Petrovic eine auffällige Probe vor Ort ein weiteres Mal kontrollieren und wird dabei verschüttet. Als man seinen schwer verletzten Körper bergen will, ist dieser verschwunden und am Unfallort wird ein spektakulärer Fund gemacht: eine Art fossile Pflanze wächst unterirdisch auf dem Mars. Währenddessen ist Petrovic wieder zur Station zurückgelangt – doch sein Körper hat sich auf unheimliche Weise verändert und er greift die Kollegen an…
Der mit vergleichsweise wenigen Produktionsgeldern (man spricht umgerechnet von ca. 12 Mio. US-Dollar) auf den Weg gebrachte britisch-irische „The Last Days On Mars“, übrigens der Spielfilmerstling von Ruairi Robinson, überrascht trotz sattsam bekannter Sci-Fi-Horror-Story (schlag nach bei „Alien“, „The Thing“, „28 Days Later“ etc.) auf der ganzen Linie, denn er spielt mit den Erwartungen des Publikums, erfüllt diese aber mitnichten und ist dennoch bis zur letzten Minuten spannend und innerhalb des Sujets schon irgendwie originell. Bereits von den ersten Minuten an fällt auf, dass sich „The Last Days On Mars“ partout von allen anderen bisherigen Mars-Filmen absetzen will, denn Ruairi Robinson verzichtet auf jegliche Rot-Filter und lässt seinen sehenswerten Wüstendrehort ganz für sich sprechen. Solide Sets und Bauten aber auch die eigenwilligen Mars-Fahrzeuge überzeugen schnell davon, dass hier eher harte Science-Fiction als edeler Trash zu erwarten ist. Doch auch als der erste Infizierte auftaucht und der auf dem Cover als „Neo-Zombie-Albtraum“ beschriebene Horrorteil beginnt, kippt die Seriosität des Gezeigten nicht. Auf genreübliche Schocks und das Suhlen im Blut wird fast gänzlich verzichtet, was hier zählt ist weiterhin die angespannte Lage in einer unheilvollen, feindlichen Umwelt und wie die immer weiter dezimierte Rest-Crew damit umgeht. Die mitunter gerade in der ersten Hälfte vermehrt auftretenden stimmungsvollen, ja fast schon soghaften Bilder – untermalt von einem unheimlichen Synthesizer-Soundtrack – werden zwar in der zweiten Hälfte durch allzu hektisch montierte Actionszenen abgelöst, kommen aber zum fatalistischen Schlussspurt wieder und lassen Rurairi Robinsons Mars-Abenteuer hübsch offen enden. Fazit: Wer schon immer den passenden Gegenentwurf zu Mario Bavas bunten Pop-Art-Märchen „Planet der Vampire“ gesucht hat, der wird bei „The Last Days On Mars“ unzweifelhaft fündig. Sehenswert. Bildformat 2,35:1. Mit Liev Schreiber, Romola Garai, Elias Koteas, Olivia Williams u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin