Tom Selznick, einst gefeierter Pianist, wagt sich an ein Comeback und hat nach dem Tod seines Mentors die Möglichkeit, mit dessen großen Konzertflügel ein Orchester zu begleiten. Doch weil er vor Jahren bei einem schwierigen Stück die Nerven verloren hat, glaubt bis auf Ehefrau Emma, eine bekannte Schauspielerin, keiner so richtig an ihn. So ist Tom schon bei Beginn des Konzerts ein wahres Nervenbündel und die Nachricht „Ein Fehler und ich erschieße sie“, die er mitten beim Spielen in der Partitur findet, macht ihn nicht gerade ruhiger. Als er auch noch erfährt, dass Emma im Visier eines Killers ist, muss Tom quasi um (s)ein Leben spielen…
Man nehme Dario Argentos farbintensiven Inszenierungsstil eines Giallo, Brian De Palmas exzessives Epigonen-Kino mit Split-Screen-Technik und opernhaft überhöhten Szenenaufbau und würze das Ganze mit einem hier über den gesamten Film verteilten Finale einer im wahrsten Sinne des Wortes orchestrierten Missetat, die wie einst bei Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wußte“ tonale und visuelle Ebene in Einklang bringt und einen Konzertsaal zum Tatort werden lässt. So funktioniert „Grand Piano – Symphonie der Angst“, ein Beweis, dass es noch virtuoses Kino gibt, welches jenseits von CGI-Gewittern berauschende Bilder zu liefern vermag. Dass dabei aber Eugenio Mira, der eher als Filmkomponist bekannt ist (u. a. „Timecrimes“), in seinem erst dritten Spielfilm den Inhalt auf fast sträfliche Weise vernachlässigt und seine Inszenierung quasi als Fingerübung für ungebeugten Stilwillen versteht, bemerkt man als Zuschauer unter anderem daran, dass die Netto-Spielzeit gerade mal auf 70 Minuten kommt (ja, über 20 Minuten gehen für Titel und Credits drauf). Hier fühlt man sich schon ein bisschen betrogen, zumal man die Quasi-„Nicht Auflegen!“-Handlung gerne noch um ein, zwei Twists und Morde erweitert wissen möchte. Nun ja, man kann halt nicht alles haben und so sollte man sich unbedingt bei „Grand Piano – Symphonie der Angst“ ganz auf die Wucht der Bilder und die unbestrittene Eleganz der Regieführung konzentrieren. Das macht allemal Spaß, zeugt von hohem handwerklichem Können und lässt vergessen, dass man Eugenio Miras Film kaum in eine Schublade zu legen vermag: Thriller ist er nicht, Mystery ist er nicht, Musikfilm ist er schon gar nicht – er ist halt einfach nur eine Symphonie der Angst. Auf BD 2,35:1. Mit Elijah Wood, John Cusack, Kerry Bishé, Tamsin Egerton u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin