Review

Nolans Vorbild? Oder seine Antithese?!

Es ist erstaunlich, dass Henri Verneuils "Weekend At Dunkirk" trotz Nolans "Neuauflage" dieser legendären Kriegsgeschichte dermaßen unbekannt und eventuell auch verkannt blieb... Erzählt wird von zwei entscheidenden Tagen am Strand von Dünkirchen - unter dem Druck der Deutschen und mit den Engländern als überraschende Retter...

Die Dünen & die Kühnen

Nolans "Dunkirk" ist meisterhaft, ohne Zweifel. Auch wenn die zeitliche Verschachtelung vielleicht etwas umständlich und verkopft erscheint, entfacht seine "Version" ganz klar ihre eigene Magie und hat mehr als nur Daseinsberechtigung, Durchschlagskraft, Potenz. Sie wird in die Filmgeschichte wohl auch als ultimative Erzählung zu "Dünkirchen" eingehen. Der Kinobesuch (der letzte mit meiner Oma!) bleibt für mich unvergesslich und aus mehrfacher Hinsicht bedrückend gut. Dennoch wollte ich seitdem immer auch noch diese europäische Variante aus den 60ern sehen - mit dem einmaligen Jean-Paul Belmondo und erstaunlichem Aufwand realisiert. Mit etlichen Elementen, die auch Nolan zweifellos beeindruckten und die er übernommen hat, visuell wie erzählerisch. Verneuil geht die Sache wesentlich weniger "tickend" und adrenalintreibend an, aber dennoch spürt man die Dringlichkeit und Gefahr jederzeit. Belmondo ist selbst unter einer solchen Drucksituation noch einer der coolsten Typen auf dem Planeten. Die Bomben und Strandabschnitte und Massen an Statisten stehen Hollywood in nichts nach. Stillstand ist hier Geschichte und Geschichte ist hier Stillstand. Trotz Belmondo und ein paar flapsiger Sprüche wird das Ganze nie in Slapstick oder zu viel Augenzwinkern getaucht. Und insgesamt ist "Weekend At Dunkirk" sicher eine sehr gute, sehr französische und sehr kompetente Ergänzung zu dieser heroischen Kriegsepisode. Vielleicht fehlt ihm etwas die Dringlichkeit, Brutalität und Schwere. Aber gerade damit setzt er auch ein schönes Gegengewicht und eine mutige, legere und nonchalante Herangehensweise an diese bitter-hoffnungsvollen Tage... Und jeder der mal in der Armee oder gar im Krieg war weiß, dass es dort eben auch viel Leerlauf, Abwarten und Rumgeirre gibt. 

Fazit: enorm aufwändiges und vielseitiges Kriegsepos aus Frankreich. Teuer, hochwertig, zwischen Belmondos Leichtfüßigkeit, Britanniens Hoffnung und Frankreichs Opfer... Ziemlich gut und zu unbekannt!

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