3D-Review
480 v. Chr. Xerxes I., der gottgleiche Perserkönig, greift Griechenland zu Lande und zu Wasser an. Während seine Infanterie an einer Felsenge der Thermopylen von den Spartanern um König Leonidas aufgehalten wird, soll Flottenkommandeurin Artemisia, die sich als grausamer herausstellt als alle persischen Admirale zusammen, Griechenland zu Wasser in die Knie zwingen. Doch der Athener Themistokles (leider ungleich uncharismatischer als Gerard Butler: Sullivan Stapleton), einst der Held der Schlacht von Marathon, soll das Ganze richten: er vereint die griechischen Stadtstaaten unter dem Banner der Freiheit, lässt sich ihre Schiffe geben und lockt Artemisia in eine Seeschlacht ungeheuren Ausmaßes…
Im „300”-Bilderrauschreigen wird ein neues, paralleles Kapitel aufgeschlagen, denn die Handlung zu „Rise Of An Empire“ ist weder Sequel noch Prequel sondern ereignet sich zeitgleich zum ersten Film aus der Hand Zack Snyders, der hier nur noch als Drehbuchautor und Co-Produzent fungiert. Regie hat der unbekannte Noam Murro übernommen, der seine Sache insgesamt betrachtet zwar recht gut macht und offenbar einen Narren an ausgedehnten Zeitlupenszenen hat, aber trotzdem in Details nicht so stilsicher arbeitet wie Snyder. Das letzte Quäntchen Pathos und der wirkliche Wille zum Testosteron-geschwängerten Männer-Kino fehlen hier an entscheidenden Stellen. Dafür eruptiert „Rise Of An Empire“ in einer endlosen Reihe von CGI-veränderten „bewegten“ Green-Screen-Gemälden, die im Grunde genommen dermaßen übertrieben sind (und das gilt nicht nur für ein Blutvergießen, welches sich selbst Sam Peckinpah in seinem fiebrigsten Whiskey-Delirium nicht erträumt hätte), dass man sich wirklich schon eher in einem Comic-Panel wähnt als in einem Hollywood-Streifen. War schon der Original-„300“ diesbezüglich state of the art, so gelingt es Noam Murro die Messlatte noch weiter nach oben zu legen. Doch auch inhaltlich wird (wieder einmal) der schiere Wahnsinn geboten: Kriegsschiffe von Horizont zu Horizont, brutalste Seeschlachten, die die aus „Ben Hur“ wie Planscherei in einer Kinderbadewanne aussehen lassen, und mittendrin sogar noch frühzeitliche Selbstmordkommandos, die ohne Koran-Verse oder Bekenner-Videos auskommen. Ob die alten Griechen angesichts der überhöhten Darstellung der Ereignisse um die Schlacht bei den Thermopylen im Grabe rotieren oder ob man die „300“-Filme um Xerxes, Leonidas und Themistokles als moderne Helden-Epen verstanden wissen will, liegt ganz im Auge des Betrachters. Mein Fazit zu „Rise Of An Empire“ lautet jedenfalls: Wanderer, kommst Du nach Sparta, so wirst Du gar wunderliche Geschichten hören und rauschhafte Filme sehen!
Betrachtet man „Rise Of An Empire“ in der auf BD dargebotenen 3D-Fassung, so wirkt das Ganze noch einmal viel mehr wie ein Blick in einer fremde Welt: alles ist trotz Veränderung an Farbgebung und Kontrast irgendwie hyperreal; vor der eigentlichen Handlungsebene gibt es ständig flirrende Staubpartikel, Spuren von Gischt und Lichtreflexionen; Speer- und Schwertspitzen sind zum Greifen nah und die Kaskaden vergossenen Blutes (ja, da sind sie wieder: die Übertreibungen, die so dick aufgetragen sind, so dass sie dem Film die eigentliche Härte rauben), klatschen einem quasi vor die Füße. Da fragt man sich doch glatt, ob die 3D-Fassung des Films unter das BtMG fällt. Wie gesagt: der schiere Wahnsinn!
Auf DVD und BD 2,35:1. Des weiteren mit Eva Green, Lena Headey, Rodrigo Santoro, Hans Matheson u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin