Matthew Scudder hat vor acht Jahren als Polizist, der gerne mal zur Flasche greift, bei der missglückten Vereitelung eines Überfalls versehentlich ein unschuldiges Kind erschossen. Aus diesem Grund quittierte er den Dienst und bekämpfte seine Alkoholsucht. Heute arbeitet er als Privatermittler ohne Lizenz und versucht dabei so gut es geht, über die Runde zu kommen. Doch sein hohes Maß an moralischer Selbstachtung gerät auf einen harten Prüfstand, als er von dem Drogendealer Kenny den Auftrag erhält, die Männer, die seine Frau gekidnappt und brutal ermordet haben, zu suchen und zur Strecke zu bringen. Scudder findet heraus, dass es da eine ganze Serie gleichartiger Verbrechen gab...
Selbstjustizfilme scheinen ja in letzter Zeit wieder hoffähig und angesagt zu sein. Sei es nun in der Testosteron-geschwängerten Spielart wie in „The Equalizer“ oder eher herb-realistisch wie in „Ruhet in Frieden“, der die düstere, beschwerliche Seite dessen auslotet, wenn man das Recht in die eigene Hand nimmt. Hier geht es nicht um urbane Helden, auch nicht um kaputte Anti-Helden, hier geht es einfach nur darum, wie mühsam es ist, sich für das Richtige, für das Ausloten moralischer Grenzen zu entscheiden. Und dieser Prozess wird von Liam Neeson in einer Art und Weise verkörpert, die man ihm nach seinen „96 Hours“-Hauruck-Filmen gar nicht mehr zugetraut hätte: die Melancholie, das Zaudern aber auch die Suche nach (fast schon religiöser) Erlösung – all das weiß der charismatische Ire mit nur wenigen Gesten und Blicken umzusetzen. Grandios. Zweitwichtigster Hauptdarsteller eines in New York verorteten Films ist natürlich immer die Stadt selbst, die in „Ruhet in Frieden“ allerdings von ihrer eher ungewöhnlichen, morbiden Seite gezeigt wird (so passt auch der OT „A Walk Along The Tombstones“, der mir weit besser gefällt als der deutsche Verleihtitel). Das alles hat Stil, das alles rundet einen Film ab, der unaufgeregt aber auch unnachgiebig seinen Weg nimmt. Beachtenswert dabei ist, dass „Ruhet in Frieden“ in zwei Teile fällt: die erste Hälfte, bei der die Täter ausschließlich als gesichtslose Serienmörder dargestellt werden und die Ehemänner der Opfer, allesamt stadtbekannte Drogendealer, durchaus eine familiäre / menschliche Seite zugewiesen bekommen – optisch und stilistisch „Sieben“ nicht unähnlich – sowie die zweite Hälfte, bei der es nur noch um die Jagd an sich geht und um Scudders Positionierung zu seinem Auftraggeber – kein Hochglanz-Ambiente wie in der thematisch verwandten Jack-Reacher-Verfilmung, sondern nüchtern-solides Thriller-Feeling wie in den 1970er Jahren. So hat Scott Frank mit der Umsetzung eines Lawrence-Block-Romans einen veritablen Großstadt-Thriller geschaffen, der tief im Sumpf des Verbrechens spielt und dennoch sehr menschlich 'rüberkommt. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit David Harbour, Dan Stevens, Boyd Holbrook u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin