Franks Bewertung

starstarstarstar / 4

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

27.04.2016
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Review

von Frank Trebbin

Travis, ein gutmütiger junger Mann aus strengem Haus, verliert mal wieder seinen Job und gerät deshalb mit seinem Vater in Streit. Als Travis vom örtlichen Marihuana-Bauern Carlton Toomey, dessen brutaler Sohn Hubert auch gerne mal junge Frauen zur Prostitution zwingt, beim Drogenklau erwischt wird, kann er nicht mehr ins elterliche Haus zurück und quartiert sich deshalb bei dem Ex-Lehrer Leonard Shank, der auch schon mal Geschäfte mit den Toomeys macht, ein. Als Shank Travis unterrichtet, um den Jungen für einen Schulabschluss fit zu machen, nimmt das Schicksal seinen Lauf: Travis findet heraus, dass ihre beiden Familien im Bürgerkrieg Schreckliches miteinander verbindet, und die Toomeys mischen sich immer wieder auf unangenehme Weise in das Leben der zwei ein…

David Burris‘ „Zorniges Land“ schlägt ein – zumindest für hiesige Zuschauer – eher unbekanntes Kapitel des amerikanischen Civil War auf und zeigt, dass dieser, obwohl (zum Zeitpunkt des in den 1970ern verorteten Films) seit mehr als 100 Jahren beendet, immer noch Wunden aufreißt bzw. diese gar nicht erst schließen lässt. Das überraschendste dabei ist, dass es nicht um den üblichen Konflikt zwischen Sklaverei-Gegnern und –befürwortern geht sondern darum, dass der Sezessionskrieg ganze Familien entzweit hat und die Risse mitten durch gelebte Bürgerschaften gingen bzw. immer noch gehen. Anhand einer ebenso faszinierenden wie trist-realistischen Ist-Beschreibung des passiv-öden Lebens des Poor White Trash inmitten der Weiten der Appalachen in North Carolina nimmt man Anteil an einem Drama, das weder gekünstelt wirkt noch im Hollywoodschen Sinne übertrieben die Redneck-Klischees bedient. Alles passiert, wie das Leben nun mal so passiert; alles nimmt seinen Lauf und vieles reißt anderes mit. Obwohl man sich bei der zweistündigen Laufzeit angesichts der wenig aufregenden Handlung manche Streckung wünschen würde, so hat man doch das Gefühl, dass keine Szene zu viel geschrieben und natürlich auch gefilmt ist, denn die authentischen Figuren und ihre Darsteller überzeugen. Besonders gelungen und stimmig ist die mitunter fahl-blasse, oftmals schummerige Bildgestaltung, die Tristesse einer Gesellschaft, die eigentlich nur Verlierer produziert, inmitten der wunderschönen Landschaft unterstreicht. Fazit: nichts für Backwood-Fans, keine knackige Wald-und-Drogen-Action à la „Homefront“ sondern ein kluger, sehr genau beobachtender Film. Bildformat: 2,35:1. Mit Noah Wyle, Jeremy Irvine, Minka Kelly, Steve Earle u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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