Franks Bewertung

starstarstarstar / 5

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

14.11.2014
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Review

von Frank Trebbin

Marta, seit frühester Kindheit eine Seherin und heute eine bekannte Kartenlegerin, wird von dem Architekten Mario Soltz brutal vergewaltigt. Weil Marta nach der Tat an Agoraphobie leidet und unbedingt einen Tapetenwechsel braucht, nimmt sie sich eine neue Wohnung. In einem Wandschrank findet Marta noch ein paar private Sachen der Vormieterin und genau damit fängt der Ärger an: merkwürdige Geräusche, Telefonate nur mit Schreien gequälter Frauen und eine grundlos aufgebrachte, aggressive Nachbarin stehen von nun an auf der Tagesordnung. Doch so richtig in Panik verfällt Marta, als sie erfährt, dass Mario Soltz wieder auf freiem Fuß ist…

Auch dieser dem Grunde nach doch sehr interessante mexikanische Genrestreifen (vgl. dazu aus neuerer Zeit z. B. „ Here Comes The Devil“) wird es nicht leicht haben, sich sein Publikum zu erarbeiten, denn Regisseur Alfonso Pineda Ulloa hat seinen „Demon Inside“ inhaltlich scheinbar dermaßen überfrachtet, so dass man gar nicht so richtig weiß, in welche Schublade man ihn zu packen gedenkt (Erst rückblickend wird klar, was man da eigentlich gesehen hat!). Ob nun der an bekannte J-Horror-Vorbilder erinnernde Dämon, der in der neuen Wohnung haust, das Motiv der verrückten Nachbarin oder aber der rote Faden rund um Martas Vergewaltigungsängste – das alles scheint weniger miteinander verwoben als dass es sich vermeintlich eher gegenseitig im Wege steht. Hinzukommt, dass man sich durch die eher zurückhaltende, ruhige Erzählweise schnell eingenommen und schon irgendwie an Zeiten erinnert fühlt, als der psychologische Schrecken noch auf leisen Sohlen daherkam. So erinnern dann weite Strecken von „Demon Inside“ auch nicht von ungefähr an Roman Polanskis „Ekel“, einem scheinbar gleichsam intensiven Psychogramm einer labilen Frau, deren Dahinsiechen der Zuschauer zu sehen bekommt. Doch schon erste Brüche auf der mitunter brachialen Tonspur aber auch das sehr bemühte „Paranormal Activity“-Motiv der permanenten Videoüberwachung, als Marta in ihrer Paranoia ihre Wohnung und ihre Nachbarschaft verkabelt, geben Hinweise darauf, dass „Demon Inside“ doch noch mehr in petto hat als vorgegaukelt. So straft dann die bittere Auflösung der Geschichte allen Zuschauerahnungen Lügen! Angesichts des wuchtigen letzten Drittels, bei dem Alfonso Pineda Ulloa auch nicht mit drastischen bzw. verstörenden Gewalt- und Blutbildern spart, ist man doch ziemlich baff. Wer also bereit ist, sich einem Film auszusetzen, der nicht auf den ersten Blick „lesbar“, nicht mit bekannten Gesichtern gecastet und nicht mit Mainstream-kompatiblen Schauwerten gespickt ist, der wird „Demon Inside“ als wohltuend frischen Wind innerhalb des Genres empfinden. Bildformat 2,35:1. Mit Paz Vega, Maya Zapata, Alfonso Herrera, Johanna Murillo u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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