Detroit 2024. Während im Ausland fast nur noch Roboter für (außenpolitisch relevante) Sicherheit sorgen, ist der Einsatz innerhalb der USA wegen eines bestimmten Gesetzes verboten. Dies ärgert natürlich Raymond Sellars, Boss der Erfinder-Firma OmniCorp, der im Inland das größere Geschäft wittert. Deshalb lässt er seinen leitenden Wissenschaftler Dr. Norton mit Hochdruck daran arbeiten, den Polizeirobotern quasi einen Teil menschlichen Lebens „einzuhauchen“. Als der Cop Alex Murphy wegen seiner Jagd auf den Gangsterboss Vallon von einer Bombe zerfetzt wird, schlägt die Stunde Dr. Nortons: Robocop wird geboren. Nach schwieriger Startphase, bei der es zu Rückschlägen und zu Neujustierungen Murphys menschlicher Einflussnahme auf seinen „Blechkörper“ kommt, wird Robocop erstmals auf die Straße geschickt...
Remake-Gejammer hin oder her: „Robocop“ (2014) kann sich sehen lassen. Punktum. Dass das Ganze modernisiert werden musste, war ja zu erahnen. Aber dass man anstatt einer bloßen Neuauflage einen (fast) komplett neuen Stoff geliefert bekommt, überrascht doch ungemein: zynisch-brutale Splatter-Action-Satire war gestern, der neue „Robocop“ punktet mit einer freimütigen Reflektion über das Frankensteinsche Element des eigentlichen Mensch-Maschine-Dramas (dieses wurde von Verhoeven damals nicht thematisiert), inklusive aller Zweifel und Bedenken sowie des unlösbaren Dilemmas der Abhängigkeiten zwischen Schöpfer und Schöpfung. Das ist allemal spannender als die stupide Aneinanderreihung von Baller- und Guck-mal-die-tollen-CGI-Szenen, die so mancher Vertreter der zur Zeit grassierenden Remake-Mania abgeliefert hat. Erst zum Ende hin wandelt auch „Robocop“ (2014) auf den Story-Pfaden des Originals und es kommt zum Finale mit einigen Kampfrobotern in der OmniCorp-Zentrale. Trotz der genannten Veränderungen kommen ebenso jene Fans, die das Original für unerreichbar halten, auf ihre Kosten, denn es hagelt auch hier Blei. „Tropa de Elite“-Regisseur José Padilha hat es dabei sogar verstanden, trotz PG-13-Vorgabe der Produzenten Action mit einer gewissen Wucht zu inszenieren. Die vier diesbezüglichen Sequenzen sind allesamt Kabinettstückchen, unterschiedlich im Stil, in der Visualisierung und in punkto Gib-den-Robocop-Fans-Futter. Und weil José Padilhas „Robocop“ keine überdrehte Utopie mit Cyber-Punks und ätzenden Werbespots mehr darstellt, gibt es hier als intellektuelle Unterfütterung Hinweise auf Whistleblower, die Allmacht der Daten und das Tagesgeschehen im „befriedeten“ Irak. Mit einem guten Cast (Gary Oldman und Michael Keaton sind einfach nur brillant) rundet sich das Gesamtbild ab: sehenswert. Auf BD 2,35. Des weiteren mit Joel Kinnaman, Samuel L. Jackson u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin