Im Winter 1572/1573 steht Don Fadrique de Toledo mit seinem spanischen Heer vor den Toren der niederländischen Küstenstadt Haarlem, die eine wichtige strategische Position für die weitere Eroberung des Landes einnimmt. Die verwitwete Werftbesitzerin Kenau Hasselaer, die durch das inquisitorische Treiben der katholischen Kirche bereits ihre jüngste Tochter verloren hat, stellt sich nicht nur aus Liebe zu ihrer Heimat sondern auch wegen ihres Hasses gegenüber den katholischen Eroberern aus Spanien an die Spitze der Widerstandsbewegung, schart die Frauen der Stadt um sich und zeigt den von Männern besetzten Rat der Stadt, wie „frau“ zu kämpfen gedenkt…
Mal wieder eine Geschichtsstunde zum Anfassen und Mitfiebern. „Kenau“, die in den Niederlanden in den Bereich nationaler Bedeutung erhobene Geschichte um die Mannsweiber von Harleem, die den Invasoren lange standgehalten und so letztendlich die spanische Krone zur Einkehr gezwungen haben, besitzt zwar nie die Wuchtigkeit eines „Gladiator“ oder die inszenatorische Kunstfertigkeit eines „300“ (auf den man hier übrigens mit dem Titelzusatz „300 gegen die Armee Spaniens“ völlig unangebracht aber gerne anspielt), steht aber formal betrachtet ganz in der Tradition alter Schwerter-und-Helden-Hollywood-Epen à la „El Cid“ und andere. Maarten Treurniet bietet mit seiner Historienaufbereitung solides Erzählkino, das mit genügend Schlachtgetümmel, Dramatik und Romanze aufwartet, um zu keiner Zeit zu langweilen. Klar, das Ganze erreicht nicht – was Aufwand, Effekte und Action angeht – jene Marken, die erreicht werden, wenn z. B. Ridley Scott sich um facts & history kümmert, doch trotzdem braucht sich „Kenau“ als rein niederländische Produktion keineswegs zu verstecken. In düster gehaltenen Szenerien, abgebildet in fahlen Farben, geht es ab in eine Zeit, in der starke Frauenfiguren eigentlich eher selten waren – hier aber gleich zu Dutzenden die Stadtmauern mit List, Tücke und Weiblichkeit verteidigen. Enttäuschend ist lediglich, dass dem Film zum Schluss ein wenig die Luft ausgeht und die finale Einnahme der Stadt hinter dem zurückbleibt, was einem vorher alles so präsentiert wurde. Bildformat: 2,35:1. Mit Monic Hendrickx, Barry Atsma, Lisa Smit, Sallie Harmsen u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin