Seit einem schweren Autounfall, bei dem sogar ihr Verlobter ums Leben kam, ist Jessabelle, Jessie genannt, von der Hüfte abwärts gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Auf diese Weise auf Hilfe angewiesen, muss sie in das Anwesen ihres Vaters zurückkehren, dass irgendwo in den Sümpfen Louisianas liegt. Dass zwischen den beiden nicht alles zum Guten besteht, merkt man recht schnell. Ein schreckliches Familiengeheimnis scheint da auf Enthüllung zu warten, zumal
Jessie alte Videoaufnahmen findet, die ihre vor Jahren verstorbene Mutter einst für sie aufgenommen hatte und die mehr Fragen aufwerfen als beantworten: so hört Jessie von einer unheimlichen Präsenz im elterlichen Haus und davon, dass die kartenlegende Mutter ihr eine unheilvolle Vorhersehung offenbart…
Trotz einer überwiegend im gleißenden Sonnenlicht Louisianas stattfindenden Inszenierung bereichert „Jessabelle – Die Vorhersehung“ das Haunted-House-Subgenre um eine düstere, mit Voodoo-Motiven durchsetzte Variante des immer wieder gleichen Stoffes: eine Frau, zumeist körperlich eingeschränkt (die Palette reicht von blind wie in „Julia’s Eyes“ bis hin zu siehe hier), gerät in ein an sich schon schön gruseliges Haus und plagt sich mit einem oder mehreren Geistern ab. Diese Plotline ist so alt wie das Horrorgenre selbst, funktioniert aber anscheinend trotzdem noch immer. Auch wenn der von Kevin Greutert nicht wirklich mit Herzblut oder gar vielen Produktions-Dollars heruntergekurbelte „Jessabelle – Die Vorhersehung“ kein allzu großer Wurf geworden ist, kann man sich doch gewissen Details nicht ganz entziehen. So ist beispielsweise die Australierin Sarah Snook in der Rolle der verletzlichen, aber auch verletzten Jessie ein echter Gewinn; ihr zartes, nuanciertes Spiel als blasse Südstaatenschönheit sorgt für die richtige Komponente, um das Publikum mitzittern zu lassen. Zudem wird – und daran hat das Drehbuch mehr Anteil als die bloße Regie – die Southern-Gothic-Atmosphäre stark im Vordergrund postiert und so gehören die wortkargen Szenen, in denen sich Jessie und ihr Vater begegnen, neben den genreüblich intonierten Schreckmomenten zum Besten, was es seit dem zu Vergleichszwecken durchaus heranziehbaren „Der verbotene Schlüssel“ zu sehen gab. Auf diese Weise hätte „Jessabelle – Die Vorhersehung“ locker und leicht vier Sterne erreicht, doch leider hat Kevin Greutert das (viel zu kurze) Finale überhaupt nicht in den Griff bekommen. Hier zeigt auch das Skript Schwächen und so hätte man sich gewünscht, dass man nicht auf eine billige, unerklärte, plötzliche Materialisierung der Geister gesetzt hätte. Nun ja, man kann nicht alles haben. Bildformat: 1,78:1. Des weiteren mit David Andrews, Mark Webber, Joelle Carter u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin