Las Vegas. Nick Wild, spielsüchtig und keinem Wodka aus dem Weg gehend, schlägt sich als Gelegenheits-Bodyguard durch, denn als Ex-Söldner hat er da recht gute Karten. Sein Traum ist es, nach Korsika auszuwandern und die Seele baumeln zu lassen. Das nötige Kleingeld dazu verspielt er natürlich immer wieder. Als eine alte Freundin ihn bittet, den Namen desjenigen herauszufinden, der sie übel zugerichtet hat, gerät Nick, der gute Kontakte zu der Unterwelt pflegt, in eine Geschichte hinein, die ihn Kopf und Kragen kosten kann…
Was soll „Wild Card“ eigentlich sein? Ein Actionfilm? Nein, dafür gibt es diesbezüglich zu wenig zu sehen und wenn sich Jason Statham prügelt, dann nur kurz. Ein Spielerporträt? Nein, die Rolle als Zocker mit Alkoholproblem nimmt man dem wieder einmal nach Schema F cool agierenden Briten partout nicht ab, denn dafür reicht seine schauspielerische Bandbreite einfach nicht aus. Eine Rachegeschichte im Halbwelt-Milieu von Las Vegas? Auch nicht, denn dazu ist dieser Part viel zu unbeteiligt in das Gesamtgeflecht namens „Wild Card“ eingebunden und nimmt nur wenig Storytime in Anspruch. Was also mag Jason Statham und der ihm nicht unbekannte Simon West dazu bewogen haben, ein altes William-Goldman-Drehbuch auszugraben und ein Quasi-Remake von „Heat“, einem der schwächeren Burt-Reynolds-Vehikel aus 1986, zu machen? Nun ja, in erster Linie folgen sie damit offenbar ihren eigenen Leidenschaften für das Old-School-Feeling, denn immerhin hat ihre Zusammenarbeit neben Nr. 2 der „The Expendables“-Reihe, weithin als Reminiszenz an das Harte-Kerle-Kino der 1980er bekannt, auch schon das Charles-Bronson-Remake „The Mechanic“ hervorgebracht. Bei „Wild Card“ aber scheint das Ganze glücklos verlaufen zu sein, denn es gibt kaum Schauwerte (Ok, Stathams knackige Kämpfe sind wenigstens stylish inszeniert), ein loses Nebeneinander verschiedenster Geschichtchen aus dem Zockerleben Nick Wilds und viele, auffallend kurz abgehandelte Mini-Auftritte namhafter Darsteller (Sofía Vergara, Stanley Tucci, Anne Heche u. a.), denen man gerne länger zugesehen hätte. Was bleibt, ist also das übliche Ex-Söldner-zeigt-seine-menschliche-Seite-und-wird-trotzdem-die-Geister-der-Vergangenheit-nicht-los-Kino, was im Falle von „Redemption“, noch leidlich funktioniert hat, hier aber keine Seele besitzt und dermaßen viele Zielgruppen verfehlt, so dass man sich schon Sorgen um Stathams Karriere und Zugkraft machen muss. Bildformat: 2,35:1.
© Selbstverlag Frank Trebbin