Franks Bewertung

starstarstarstar / 5

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

09.03.2015
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Review

von Frank Trebbin

David Williams ist Filmarchivar und glücklich mit seiner Frau Alice verheiratet. Seit fünf Jahren wohnen sie mit ihrem kleinen Sohn Billy in einem Reihenhaus am Kanal. Durch eine von David gesichtete Filmrolle erfährt das Paar, dass in ihrem Haus vor über 100 Jahren ein brutales Eifersuchtsdrama stattgefunden hat. Als David daraufhin das Gefühl beschleicht, dass Alice ihn betrügt, scheint sich das Schicksal von damals zu wiederholen, denn Alice wird tot im Kanal schwimmend gefunden und David sieht plötzlich die Geister der damals Getöteten – aber auch den des Mörders...

Sieh an, sieh an. Es gibt sie also doch noch: die kleinen, zumeist unabhängig produzierten, ungeschliffenen Perlen des Genres. Auf den ersten Blick unscheinbar, doch mit zunehmender Laufzeit immer mysteriöser, rätselhafter sowie fesselnder und am Ende wacht man (fast) schweißgebadet aus einem filmgewordenen Alptraum auf. Und Ivan Kavanaghs „The Canal“ gehört genau in diese Kategorie. Weit abseits von den typischen Erzählmustern Hollywoodscher Prägung nimmt einen dieser irische Psychothriller mit auf eine Reise, die man angesichts der düsteren, verstörenden Bilder nicht so schnell vergessen dürfte. Zudem wird das Eintauchen in Davids Psyche aber auch das Eindringen nicht erklärbarer Vorgänge und geisterhafter Erscheinungen von Ivan Kavanagh mit Argentoesker Farbdramaturgie regelrecht zelebriert, so dass gerade das Nebeneinander nüchtern gefilmter Szenen im Stile britischen Sozial-Kinos mit den auch auf tonaler Ebene aufreizend auffälligen Horroreinlagen das besondere Etwas von „The Canal“ darstellt. Und weil der gesamte Film quasi über Davids Schulter hinweg erzählt wird (nein, nicht im Sinne einer POV-Kamera, sondern eher: es gibt keine Szene ohne ihn), nimmt auch recht bald der Zuschauer Davids Position ein und man weiß nicht mehr so recht, wo die Grenzen zwischen Realität und Einbildung verlaufen. Ist das alles schon Wahn oder gibt es wirklich Geister am Kanal? Die Auflösung dieser Kardinalsfrage mag manchen Puristen enttäuschen, doch immerhin schafft es Ivan Kavanagh, die Spannung bis dahin zu halten und auf prächtige Weise für psychomäßig gruselige, weil nicht leicht entschlüsselbare Unterhaltung zu sorgen. Fazit: Sehenswerte Genrekost! Bildformat: 2,35:1. Mit Rupert Evans, Antonia Campbell Hughes, Hannah Hoekstra, Calum Heath u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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