3D-Review
Nach Jahren der Entbehrung führen Jen und Ming Chen ein recht wohlbehütetes, bürgerliches Vorstadtleben: der große Sohn studiert in Australien, Tochter Lucy soll auch mal Ärztin werden und ihr properes Haus ist eine wahre Puppenstube. Doch als Lucy hinter der Gartenmauer ein kleines Gefäß mit einer mysteriösen Flüssigkeit findet und dieses öffnet, bricht die Idylle jäh zusammen. Plötzlich scheint Lucy wie ausgewechselt zu sein: erst benimmt sie sich merkwürdig, dann immer aggressiver, als ob sie von allen guten Geistern verlassen ist. Nach und nach kommt ein längst begraben geglaubtes Familiengeheimnis wieder hoch und Mutter Jen sucht die Hilfe eines Exorzisten…
Upps, da isses wieder: das gute, alte Kategorie-III-Feeling aus längst passé geglaubten Hongkong-Kino-Zeiten; natürlich etwas abgemildert um leichte Zensurvorgaben der chinesischen Ideologievorbeter, aber es ist eindeutig wieder da! Sleaze, krasse Einfälle, Zurschaustellung von Abnormitäten – kurzum: alles was das Herz eines HK-Horror-Fans erfreut. Das Regie-Gespann Raymond Ng und Herman Yau benutzt das allseits bekannte Grundgerüst aus Besessenen- und Geistermotiven, um eine mittels vieler Rückblenden erzählte Story zu entspinnen, die absurd genug ist, um all das Vorgenannte unterzubringen, die aber trotzdem innerhalb der asiatischen Glaubenswelt so geerdet erscheint, dass man sie nicht gleich schon als allergroßen Humbug abtut. Inszenatorisch ist das alles recht ordentlich, wenn auch im Großen und Ganzen nicht wirklich spektakulär. Hier und da erkennt man aber, dass sich Herman Yau, der durch seinen „Ebola Syndrom“ bekannt wurde und gerne mal mit vordergründigen Reizen spielt, durchsetzen konnte und plakative Schockbilder (u. a. ein sehr unappetitlicher Abtreibungsversuch) setzt, um „sein“ Publikum bei Laune zu halten. Das und das doch arg an den Haaren herbeigezogene Ende machen es „The Second Coming“ schwer, wie aus einem Guss zu wirken. Da erschleicht einen fast schon das Gefühl, dass die Produktion des Films möglicherweise nicht ganz einfach war und man Herman Yau vielleicht erst viel später an Bord geholt hat, um aus „The Second Coming“ noch das Beste rauszuholen. Und dennoch: eine Sichtung ist er allemal wert. Bildformat 2,35:1. Auf BD auch in 3D (Der Film wird mit recht guter Tiefenwirkung präsentiert und die Räumlichkeit wirkt über den gesamten Film homogen und realistisch. Zudem wurde „The Second Coming“ mit einigen subtil wirkenden Pop-Outs garniert, die der Inszenierung, die das 3D – erstaunlich für das Sujet – wahrlich nicht ausschlachtet, die rechte Würze gibt). Mit Maggie Shiu, Kenny Wong, Don Li, Joey Leong u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin