Franks Bewertung

starstarstarstar / 3

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

22.11.2015
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Review

von Frank Trebbin

Finnland, irgendwo in den Bergen. Am Vorabend seines 13. Geburtstag wird der junge Oskari von seinem Vater Tapio in ein traditionell gehegtes Ritual entlassen: er soll eine Nacht in den Wäldern verbringen, fette Jagdbeute erzielen und als Mann wiederkehren. Doch Oskari, der kaum den Bogen spannen kann, um per Pfeil den erwünschten Hirsch zu erlegen, erlebt ein ganz anders Abenteuer, denn William Alan Moore, der US-Präsident, fällt ihm praktisch mit seiner Rettungskapsel vor die Füße, denn die Air Force One wurde durch Terroristen zum Absturz gebracht. Nun sind sie hinter dem Präsidenten her, um dieser ganz speziellen Jagdtrophäe habhaft zu werden. Oskari und Moore sind auf der Flucht…

1991 gab es „Boy Soldiers“, die „Stirb langsam“-Variante für Teenager; jetzt gibt es „Big Game“, quasi eine Frischzellenkur für ein (soweit es überhaupt existiert) derart juveniles Genre-Crossover-Subgenre. Man nehme die besten Ideen und Einfälle aus „Die Klapperschlange“, „Der Schakal“ und „Air Force One“, mische das Ganze mit den beeindruckenden (hier: in Bayern abgedrehten) Bergbildern à la „Cliffhanger“ und einem archaischen Coming-of-Age-Stoff im Stile von „Pathfinder“ (das norwegische Original von 1987, nicht der Marcus-Nispel-Wikinger-Actioner) und schmecke zum Schluss alles mit einer gehörigen Prise offenherzigen Humor ab. So und nicht anders ist „Big Game“, weniger ein zünftiger Action-Film als ein ziemlich flottes Jugend-Abenteuer mit eingebautem Bleihagel. Natürlich kann man jetzt Regisseur Jalmari Helander, der bereits mit „Rare Exports“ positiv aufgefallen ist, vorwerfen, nur bekannte Versatzstücke benutzt und in einer heillos überzogenen, fernab jeder Realität spielenden Handlung untergebracht zu haben, doch trifft dies nicht auch auf Filme zu, die eigentlich fernab jeglicher Kritik bei Kinofans stehen? Genau, denn immerhin ist es dem Finnen Helander gelungen, mit „Big Game“ eine augenzwinkernde Naivität zu verbreiten, die man einfach gerne haben muss. Sein kaum als versteckt zu bezeichnender Umgang mit allseits bekannten Klischees ist derart entwaffnend unschuldig umgesetzt, so dass es zu einem Riesenspaß gerät, sich von dem hanebüchenen Treiben der Handlung mitreißen zu lassen. Reichte Indiana Jones einst ein Schlauchboot, um einen Flugzeugabsturz zu überleben, so zeigt uns Helander, dass auch ein Gefrierschrank immer noch eine zweite Funktion besitzt. Beileibe ist dabei nicht alles filmtechnisch perfekt (durchschnittliches CGI bleibt immer CGI), doch fühlt man sich angesichts der poppebunten Bilder bestens unterhalten. Zudem: ob nun das grimmige Auftreten von Mehmet Kurtulus als Terrorist mit islamischem(?) Hintergrund, Ted Levine als knurriger General im US-Sicherheitsstab oder aber der verschmitzte „Harry Potter“-Spezi Jim „Professor Slughorn“ Broadbent – „Big Game“ überzeugt auch als kleine, multi-nationale Produktion mit Namen in der zweiten Reihe, die dem Film Authentizität und Herz verleihen. Big Fun. Bildformat: 2,35:1. Mit Samuel L. Jackson, Onni Tommila, Ray Stevenson u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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