Filmeditor Rey Ciso, einst ein berühmter Cutter, müht sich heute für billige Horrorstreifen ab, denn nach einem folgenschweren Nervenzusammenbruch und Unfall hat er ein paar Finger verloren und ist nicht mehr der alte. Das merkt auch seine Frau, die ehemalige Schauspielerin Josephine Jardin, die Rey immer nur drangsaliert. Als Reys Filmstudio von einem unheimlichen Killer heimgesucht wird, der die Besetzung filmreif niedermetzelt, kommt Polizist Peter Porfiry ans Set und beginnt, auf unkonventionelle Weise zu ermitteln. Währenddessen rückt der bislang nur für Kleinrollen engagierte Cal Konitz mit jedem Mord höher auf der Besetzungsliste…
Wer das 1970er-Jahre-Giallo-Filmsubgenre kennt, der weiß, dass gerade zum Ende hin die Filme oftmals zu unfreiwillig komischen Kopien ihrer selbst wurden (Ich sag nur „Murder Rock“ und ähnliche Granaten) – also quasi zu Eigenparodien. Heute kümmern sich die beiden kanadischen Filmemacher Adam Brooks und Matthew Kennedy, die neben der Regie auch die Hauptrollen und so manches technische Department übernommen haben, um genau dieses Erbe und lassen mit dem herrlich blödsinnigen „The Editor“ noch einmal den schmalen Grat zwischen Filmkunst und Schund, zwischen Thrill und Gähnen, zwischen Krimi und Horror Revue passieren und ziehen – ganz im Gegensatz zu „Amer“ und „Der Tod weint roten Tränen“, zwei weithin bekannten ernsten Hommagen an den Giallo-Film, aber ähnlich wie „Der Wixxer“ für den deutschen Edgar-Wallace-Film – das alles gehörig durch den Kakao…. äh, besser: durch ein Meer von Blut. Ob nun absurde Filmtitel, grausige Morde um der Effekte willen, ikonografische Schlüsselszenen oder der ungebremste Hang zu Zigaretten, Alkohol, nackter Haut und Porno-Bärtchen: Adam Brooks und Matthew Kennedy machen sich aber nicht vordergründig über Dario Argento, Vater-und-Sohn Bava, Lucio Fulci, Sergio Martino und wie sie alle hießen lustig sondern lachen mit ihnen und ihren besten Filmszenen zusammen über den zumeist inhaltlichen Mist, den man damals so abgesondert hat. Damit ist den beiden Kanadiern ein stilsichere, sehr lustige, weil immer in den Wahnwitz abdriftende Verbeugung auf das Italo-Filmtreiben von damals gelungen. Allerdings sollte man schon das eine oder andere Werk kennen, um wirklich jeden In-Joke zu verstehen. Herrlich schräg, herrlich blutig – lohnt sich! Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Conor Sweeney, Samantha Hill, Paz de la Huerta, Udo Kier, Laurence R. Harvey u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin