Kevin und Mendes sind die Leiter zweier SEK-Einheiten, die in ihrem Kampf gegen den Drogensumpf der Türsteher-Szene immer wieder Rückschläge einstecken müssen. Als bei einem Einsatz ein Kollege schwer verletzt wird und daraufhin die Verdächtigen regelrecht zur Strecke gebracht werden, hagelt es auch aus eigenen Reihen Kritik. Doch so richtig dicke kommt es erst, als zwei SEK-Beamte daraufhin hingerichtet aufgefunden werden und eine verschwundene Dienstwaffe in den Händen gewaltbereiter Jugendlicher vermutet wird. Mendes, der schon immer am Rande der Legalität agierte, bläst daraufhin zu einer Selbstjustizaktion, die natürlich nicht ohne Folgen für alle – diesseits und jenseits des Gesetzes – bleiben wird…
Ein amerikanischer Genrefilm – mitten in und aus Deutschland. Klischeebehaftet wie Hollywoods typischste Fließbandware (es gibt die üblichen Kneipenszenen, das kaputte Privatleben etc.), gleichzeitig aber auch – was den Realismus angeht – mit dem detailverliebten, erzählbeflissenen Kennerblick eines jungen Martin Scorsese. Doch während der Vorgenannte auch (fast) immer gleichzeitig das Porträt seiner prominenten Heimatstadt New York mit abgeliefert hat, ist der aus gewaltbereiten Gangs, polizeilichem Korpsverhalten und gesellschaftlichen Missständen geprägte Hexenkessel in „Wir waren Könige“ interessanterweise in einer anonymisierten, weitestgehend kaum identifizierbaren Großstadt, in der so gut wie nie die Sonne scheint, verortet (also nicht die übliche Soko aus München oder der Tatort aus Berlin) und findet – was noch interessanter erscheint – innerhalb der vom ZDF vorgehaltenen „Das kleine Fernsehspiel“-Reihe statt, die auch schon mal solche Überraschungsperlen wie den Zombiefilm „Rammbock“ zutage gefördert hat. Mit höchst kinotauglichen, düster gehaltenen Bildern entfaltet Regisseur und Drehbuchautor Philipp Leinemann seinen für hiesige Genreverhältnisse recht harten Stoff, der zudem noch mit einer Spannung aufwarten kann, die recht selten geworden ist in einer Welt voller veräußerlichter Action-Blockbuster. „Wir waren Könige“ ist darüber hinaus aber auch ein Beweis, dass es hierzulande jede Menge guter Schauspieler gibt, die zwar nie den Bekanntheitsgrad eines De Niro erreichen werden, die aber komplexe Filme wie diesen locker stemmen können. Und mittendrin in diesem Ensemble (Ronald Zehrfeld, Misel Matisevic, Thomas Thieme, Frederick Lau, Bernhard Schütz u. a.) befindet sich der kleine Mohamed Issa in der Rolle des Nasim, der ähnlich einem Hitchcockschen McGuffin Auslöser aber auch Vorantreiber einer glaubhaft erzählten Spirale der Gewalt ist, die sich – und da schließt sich wieder der Kreis – klischeebehaftet, weil rollentypisiert und damit vorhersehbar auflöst. Bildformat: 2,35:1.
© Selbstverlag Frank Trebbin