3D-Review
Nachdem Familienvater Eric Bowen seinen Job verloren hat, muss er mit Ehefrau Amy und den drei Kindern in ein kleineres Haus umziehen. Und weil die Maklerin verhandlungswillig zu sein scheint, schlägt man bei jener Vorstadt-Idylle zu, die dicht an einem Feld mit Überlandleitungen auf einem ehemaligen Friedhof gebaut wurde. Doch schon die erste Nacht offenbart den wahren Grund für den billigen Kaufpreis: die Hauselektrik führt ein seltsames Eigenleben und geisterhafte Erscheinungen im großen Flachbildschirm-TV gehen auf Kontakt zur kleinen Madison. Ihr Bruder Griffin gar wird von der unheimlichen Clown-Puppen-Sammlung, die man im Drempel findet, attackiert. Als Madison kurz darauf spurlos verschwindet, wird das Expertenteam um Carrigan Burke gerufen, um den Spuk des Hauses auszutreiben...
Gib jedem Remake eine Chance! Immerhin ist es eine völlig legitime Prämisse, ein und denselben Filmstoff alle paar Jahre recyceln zu können, um andere Zuschauerschichten zu erschließen. Dass man dabei nicht immer hinzugefügte neue Aspekte zu erwarten hat, dürfte ja wohl auch klar sein, oder? So folgt Gil Kenans „Poltergeist“ dem Original von 1982 vom Grundgerüst der Handlung her quasi auf Schritt und Tritt, variiert lediglich die poltergeistschen Schrecken im Detail und ist – aber das war zu erwarten – inszenatorisch in punkto F/X sowie Tempo aufpoliert. Dafür fehlt es im Gegenzug an Typen wie Zelda Rubinstein, denn der neuerliche Geisteraustreiber ist einfach nur blass, arrogant und mit seinem „Fright Night“-ähnlichem TV-Background die deutlichste Anbiederung an ein Publikum, welches zwischen Social-Media-Zwängen und Reality-Show-Berieselung aufgewachsen ist. Der Brite Jared Harris spielt diese Kunstfigur aber wenigstens mit einem gewissen raubeinigen Charme und rettet dadurch Punkte. Ganz und gar bodenständig hat man aus den erfolgreichen Freelings von damals die mit Arbeitslosigkeit und Finanzkrise kämpfenden Bowens gemacht, die mehr Schein als Sein darstellen – die „Don’t Watch TV“-Pointe des bekannten Schlussbildes der Spielberg-Hooper-Verfilmung ist somit einem handlungsübergreifenden Seitenhieb auf die geplatzte Immobilienblase nach der Lehman-Brothers-Pleite gewichen. Das alles kann man jetzt, wenn man ein Die-Hard-Fan des Originals ist, verdammen oder aber sich zurücklehnen und eine anderthalbstündige, perfekt gemachte Geisterbahnfahrt genießen, der zwar auch nicht die gewisse Seelenlosigkeit heutiger Produktionen abgeht, dafür aber gute Popcorn-Unterhaltung fürs schnelle Vergessen liefert. Hätte doch bloß Gil Kenan, der mit dem Animationsfilm „Monster House“ quasi schon mal üben konnte, beim Dreh besser die spätere 3D-Konvertierung des Films berücksichtigt, denn so hätte man wirklich viel mehr aus „Poltergeist“ (2015) herausholen können. Doch das was an 3D-Effekten geboten wird, ist eher nur durchschnittlich. Ok, die Räumlichkeit ist recht ansprechend, doch es fehlt – und dafür wäre auf inhaltlicher Ebene genug Gelegenheit gewesen – an Augenschmaus und mehr als nur die üblichen zwei, drei Pop-Outs. Als 3D-Erlebnis enttäuscht der Film weit mehr als bei der standardisierten Erwartung an ein Remake eines Genreklassikers. Gleiches gilt übrigens auch für die nur in Handlungsszenen um 7 Minuten verlängerte Extended Version, die den Film im ersten Drittel leider nur verlangsamt. Zusätzliche Schocks (na gut, die Waschmaschine) sind nicht dabei. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Sam Rockwell, Rosemarie DeWitt, Kyle Catlett u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin