Franks Bewertung

starstarstarstar / 4

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

30.11.2015
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Review

von Frank Trebbin

3D-Review

China 1946. Das Land ist zerrissen, der durch den Zweiten Weltkrieg lediglich unterbrochene Bürgerkrieg geht weiter und Warlords, die über die von den Japanern zurückgelassenen Waffenarsenale verfügen, beherrschen das Tagesgeschehen. Dies ist die Geschichte einer von Shao Jianbo angeführten Einheit der kommunistischen Volksbefreiungsarmee, die verlorene Gebiete zurückerobern soll. Am winterlichen Tigerberg gerät man an die Truppen des Banditen Lord Falke, der in einer alten japanischen Bergfestung haust und die Dörfer ringsum terrorisiert. Shao Jianbo beauftragt seinen Kundschafter Yan Zirong damit, sich Lord Falke anzuschließen und so den Weg freizumachen, um einen Überraschungsangriff zu starten. Als Köder soll eine geheimnisvolle, dreiteilige Schatzkarte dienen…

Schnee und Blut – das macht sich spätestens seit dem Italo-Western „Leichen pflastern seinen Weg“ ziemlich gut und so setzt auch Tsui Hark mit seinem auf opernhafte Weise heroisch überhöhtem Kriegsabenteuer „Die letzte Schlacht am Tigerberg“ auf dieses Element und lässt seine Helden der in China verehrten Einheit 203 der Volksbefreiungsarmee in pittoresker Schnee- und Felsenlandschaft viel Blut vergießen. Dass sich das Ganze wahrscheinlich weniger an tatsächlich so stattgefundenen historischen Ereignissen orientiert, liegt wohl mit Sicherheit daran, dass die in China mit allen Weihen des Polit-Büros abgesegnete, weil voller politischem Patriotismus durchsetzte Romanvorlage nunmal kein nüchternes Kriegstagebuch sein wollte / sollte. Aber auch Tsui Hark, dem man schon früh in seiner langen Karriere ein Faible für bodenloses Fabulieren nachsagen konnte, hat einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass „Die letzte Schlacht am Tigerberg“ weniger der „Platoon“-Anti-Kriegsfilm-Fraktion zuzuordnen ist als den naiv-schelmenhaften Echte-Männer-Abenteuern à la „Agenten sterben einsam“, an den man sich nicht nur wegen der winterlichen Landschaft und der zu infiltrierenden Bergfestung erinnert fühlt. So wird neben einigen Härten in „Die letzte Schlacht am Tigerberg“ auch einiges an Humor, eine Prise Fantasy und sogar ein ironischer Nachklapp im „Indiana Jones“-Stil, der den mit viel Pathos aufgeblähten Stoff im Nachhinein hübsch doppelbödig konterkariert, aufgeboten, um letztendlich das aus dem Film zu machen, wonach es dem Macher schon immer dürstete: Spektakel um des Spektakels willen. Und diesbezüglich liefert Tsui Hark was von ihm erwartet wird! Visuell kraftvoll inszeniert und ausstattungstechnisch stark beeindruckend, punktet sein „Die letzte Schlacht am Tigerberg“ zudem noch mit einem Umstand, der vielen Hollywood-Produktionen abgeht: der Einsatz modernster 3D-Technik ist durch und durch gerechtfertigt sowie eine zweifelsfreie Bereicherung des fertigen Produkts. Ob nun eine wie auch immer geartete realistische räumliche Staffelung, die schwindelerregende Tiefenwirkung bei entfesselten Kamerafahrten am Berg oder aber die über die gesamte Länge verteilten Pop-Outs (z. B. Blutspritzer, Schneeflocken oder Gewehrläufe, die einem ständig entgegen kommen) – alles zieht Dich mitten hinein in einen Film, dem man als einziges Manko höchstens entgegenhalten könnte, dass er einen Tick zu lang geraten ist. Bildformat: 1,78:1 und auf BD in 3D. Mit Hanyu Zhang, Tony Leung, Kenny Lin, Nan Yu u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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