1953. Moskau zur Stalin-Ära. Geheimdienstoffizier Leo Demidov ist ein argloser Mitläufer, der das System stützt, indem er ohne Fragen zu stellen, Regimegegner jagt. Als sein Patenkind ermordet aufgefunden wird, soll jedoch Leo den trauernden Vater dazu bewegen, der offiziellen Todesursache, einem Unfall, zuzustimmen, denn Mord ist schließlich nur eine kapitalistische Krankheit. Tatsächlich scheint es aber so, als wenn ein Serienmörder, der es auf kleine Kinder abgesehen hat, sein Unwesen entlang der Eisenbahnstrecke Moskau-Rostow treibt. Als Leo zu neugierige Fragen stellt, geraten er und seine Frau Raisa in das Visier des Staates, werden denunziert und deportiert…
Eigentlich ist es ja immer so, dass wenn Filme in jenem Land, in dem sie spielen, wegen vermeintlicher Diffamierung längst vergangener Zeiten boykottiert werden, diese erst recht ein in klingelnder Kinokasse umgemünzten Schub den Rest der Welt betreffend bekommen. Nun ja, bei „Kind 44“ hat dies nicht funktioniert, sondern die Verfilmung des englischen Bestsellerromans aus der Feder von Tom Rob Smith wurde global zu einem Flop; von den vernichtenden Kritiken mal ganz zu schweigen. Doch was ist wirklich dran, wenn man sich Daniel Espinosas Adapation mal losgelöst von der Buchvorlage betrachtet? Nun ja, vieles von dem, was da bekrittelt wurde, entspricht leider auch meiner Wahrnehmung. Selbst wenn man das Buch nicht kennt: Daniel Espinosa ist es im Gegensatz zu seinem überzeugenden „Safe House“ nicht wirklich gelungen, einen Thriller wie aus einem Guss herzustellen. Zu viele Handlungsstränge stehen sich da im Wege, zu viele Messages müssen untergebracht werden und zu viel Drama verkleistert eine Handlung, die sich partout nicht zwischen der Jagd nach dem Kindermörder und der Abbildung einer menschenverachtenden, auf Repressalien und Terror beruhenden Gesellschaft entscheiden mag. So wird eine sehenswerte Besetzung unter einem nur durchschnittlich inspirierten Regisseur in einem die Wahl der Mittel eher schlecht beratenem Film (die Kameraführung ist oft viel zu dicht am Geschehen, die detailreichen Sets verschwinden im Dunkel der Inszenierung) regelrecht verheizt. Schade, sehr schade. Bildformat: 2,35:1. Mit Tom Hardy, Gary Oldman, Noomi Rapace, Vincent Cassel u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin