„Es ist die Zukunft, wir schreiben das Jahr 1997…“ – Mit diesen (oder ähnlichen) Worten beginnt der Titelsequenz zu „Turbo Kid“, einer ganz betont auf Retro-Charme ausgerichteten kanadisch-neuseeländischen Co-Produktion mit dermaßen vielen namentlich aufgeführten Produzenten im Vorspann, dass es schon fast an ein Wunder gereicht, einen fertigen Film zu erleben, der trotz alledem wie aus einem Guss wirkt. Und weil der vorangestellte, leicht verwirrende Einleitungssatz durchaus Sinn macht – „Turbo Kid“ funktioniert praktisch so, als wenn er Mitte der 1980er Jahre im Zuge von „Solarbabies“ und „BMX Bandits“ abgedreht wurde – ist auch die Handlung schnell umrissen: In einer post-apokalyptischen Zukunft wird ein für Comichelden schwärmender Jugendlicher, der sich auf das Plündern von trostlosen Wüsteneien spezialisiert hat, unfreiwillig und unter Beteiligung des Roboter-Mädchens Apple zum Helden, der gegen die Tyrannei des Wasteland-Warlords Zeus, der die Wasserknappheit zu seinen kriminellen Zwecken ausnutzt, aufbegehrt.
Ausgangspunkt für „Turbo Kid“ war ein Kurzfilm der Filmenthusiasten Francois Simard, Anouk und Yoann-Karl Whissell (aka RKSS), der als T-Segment für „The ABC’s Of Death“-Anthologie gedacht war, leider aber ohne Berücksichtigung blieb. Daraus ist ein abendfüllender Film entstanden, der mit seinen grotesken Splatterszenen an selige Peter-Jackson- und Alex-de-la-Iglesia-Zeiten erinnert und der zeigt, dass man auch im Low-Budget-Bereich liebevoll hofieren kann ohne nur grob zu kopieren. In einer Handlung, die gleichsam dünn, naiv aber nie langweilig ist, geht es wie anno dazumal bei den Italienern querbeet durch das post-apokalyptische „Road Warrior“-Country, bevölkert mit dem Figurenarsenal aus „Waterworld“ und „Die Jugger“. Die Chemie zwischen der ewig dreinquatschenden Apple und dem nur „The Kid“ genannten Helden auf dem BMX-Rad stimmt perfekt; beide Darsteller wirken sehr natürlich und geben beste Identifikationsfiguren für ein Zielpublikum ab, das mal angesichts gelungener One-Liner und mal wegen übertrieben blutig explodierender Körper zum Schmunzeln gebracht wird. Dabei geht es überwiegend ohne CGI zu Werke, so man noch zusätzlich an alte Zeiten erinnert wird. Michael Ironside, für Genrekenner kein Unbekannter, gibt den Bösewicht Zeus mit grummeliger Spiellaune. Fazit: Das alles ist mit so viel Charme und Verve inszeniert und aus dem Boden gestampft worden, so dass man „Turbo Kid“ trotz einiger kleinerer Mankos, die jeder für sich selbst ausloten kann, einfach mögen muss. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Laurence Leboeuf, Munro Chambers, Aaron Jeffery u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin