Irgendwann in der Zukunft hat man dem Unternehmer Julian Michaels erlaubt, ein eigenes Stadtviertel namens Vice zu bauen und als komplett moralfreie Zone zu betreiben: täuschend echt aussehende Roboterwesen stehen den Menschen zur Verfügung, um Sex- und Gewaltphantasien zu erfüllen. Das sieht man rund um Vice natürlich gar nicht gerne, denn der eine oder andere Besucher trägt das ungezügelte Verhalten wieder mit heraus – und schon hat Detective Roy wieder alle Hände voll zu tun. Als mit der artifiziellen Kelly einer der Roboter ausbüxt, dessen Gedächtnis sich nicht mehr löschen lässt, sieht Roy seine Chance gekommen, mit Julian Michaels abzurechnen und Vice zu Fall zu bringen…
Schwach, ganz schwach geht es in dieser modernisierten „Westworld“-Variante, die eigentlich viel tiefer geht und das Zeug zu einem richtig guten Science-Fiction-Stoff à la Philip K. Dick gehabt hätte, zu, denn trotz einer sehenswerten Besetzung bleibt „Vice“ ein gelacktes Kleiner-als-B-Movie, welches sich mühsam von einem Shoot-Out zum nächsten hangelt und kaum mehr bietet als die wöchentliche Billig-Futter-Ration für den nerdigen Video-Junkie. Möglicherweise schwebte der Crew ja wirklich vor, so eine Art Neo-Noir-Detektiv-Story im Stile von „Blade Runner“ zu kreieren, doch was der solide, aber völlig uninspirierte Regisseur Brian A. Miller mit den wenigen Produktions-Dollars umsetzen konnte, sieht an allen Ecken einfach nur billig aus: die Computerzentrale von Vice ist recht überschaubar, das viele Rumgeballer hinterlässt nie Spuren und die nächtlichen Sets verschwinden förmlich im Dunkel einer Spar-Fuchs-Neon-Ausleuchtung. Hinzukommt, dass das Skript auch sehr oberflächlich entwickelt wurde, man keiner der handelnden Figuren so etwas wie einen Hintergrund verpasst hat und sich die Schauspieler sichtlich unwohl in ihren Rollen gefühlt haben müssen, denn darstellerische Höheflüge sucht man in „Vice“ ebenso vergebens. Fazit: lieber noch einmal Yul Brynner in seiner Rolle als Gunslinger angucken! Das rockt mehr. Bildformat: 2,35:1. Mit Ambyr Childers, Thomas Jane, Bruce Willis, Jonathon Schaech u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin