Der kleine Tom Tomsky wird ständig wegen seiner Angst vor dem dunklen Keller von seiner großen Schwester als „Psychozwerg“ aufgezogen, doch ist diese Angst nicht unbegründet: der dem Grunde nach recht nette Geist namens Hugo, ein MUG, ein mittelmäßig unheimliches Gespenst, hat sich nämlich dort eingenistet. Aus Abneigung wird schnell Freundschaft und so erfährt Tom, dass Hugo aus seiner Gespenstervilla vertrieben wurde – und zwar von einem gefährlichen UEG, dem urzeitlichen Eisgespenst, das auch dafür verantwortlich ist, dass man mitten im Hochsommer Winterklamotten anziehen muss. Tom wendet sich an die professionelle Geisterjägerin Hedwig Kümmelsaft, die aber gerade ihren Job bei der CGI, dem Centralen Gespensterbekämpfungsinstitut, verloren hat…
31 Jahre nach „Ghostbusters“ und 20 Jahre nach „Casper“ schickt man sich auch hierzulande an, mal einen irrwitzigen Familien-Spaß um Geister und deren Jäger auf die Spur zu schicken. Und weil Cornelia Funkes 1993 gestartete Kinder- bzw. Jugendbuch-Reihe genau jene Motive verarbeitet, die auch die beiden genannten Filmvorbilder so erfolgreich gemacht haben, war es keine Frage, dass dafür nur eine Verfilmung von „Gespensterjäger“ infrage kommen würde (hier: Band 1 „Gespensterjäger auf eisiger Spur“). Klar, dass sich die direkte Konkurrenz mit den US-Pendants verbietet, denn trotz vergleichsweise aufwendiger Produktion und dem Schielen nach dem internationalen Markt – „Gespensterjäger“ wurde sogar englischsprachig gedreht – ist und bleibt diese Cornelia Funke Adaption durch und durch ein Kinderfilm bester deutscher Prägung. Hier gibt es keine versteckten Witze auf Erwachsenen-Ebene, hier wird nicht marktschreierisch mit Bombast-Effekten geklotzt und vor allem wird man nicht von einer durch Hektik bestimmten Handlung, die unbedingt von Gag zu Gag hetzen muss, erschlagen. Alles ist einen Gang zurückgeschaltet – die jungen Zuschauer mögen es danken. Das hat einen gewissen altbackenen Charme und so passt es dann auch wunderbar, dass die dem Grunde nach zwar recht ordentlich gemachten CGI-Tricks nie wirklich ganz die technischen Möglichkeiten ausnutzen sondern – wiederum höchst kindgerecht – immer als solche identifizierbar sind. Als wahres Trio Infernal milde-bissiger Wortduelle entpuppt sich die Besetzung von Anke Engelke als die verbittert-bärbeißige Kümmelsaft, Bastian Pastewka als Stimmengeber für das grüne MUG Hugo und Milo Parker als Tom Tomsky, der letztendlich seine Ängste zu bändigen weiß. Man darf gespannt sein, ob „Gespensterjäger“ in dieser Form in Serie gehen wird. Gefallen würde dies. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Christian Tramitz, Karoline Herfurth, Christian Ulmen u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin