Oberflächliches Best Of
Jurassic Park war weit mehr als nur der damals größte Blockbuster, er ist ganz nebenbei auch noch einer der besten Filme aller Zeiten - eine vielleicht einmalige Kombination, die meine Generation prägte. Wenn nicht im Kino, dann später auf (aufgenommener) VHS. Und auch dem actionreicheren Teil 2 kann ich Einiges abgewinnen, selbst wenn er hinten raus überdreht. Und für Teil 3 ist eigentlich selbst der Mantel des Schweigens zu wertvoll. Wie schlägt sich also der funktionstüchtige Park in Jurassic World Jahrzente später?
In Jurassic World bricht mitten im laufenden Park voll tausender Besucher eine gengezüchtete Killer-Kreuzung aus ihrem Käfig. Nun heißt es (wie immer) laufen, verstecken, Kinder suchen... und mit Raptoren kooperieren?
Nach JP3 waren die Erwartungen eigentlich so gering, dass JW alle Türen für eine positive Überraschung offen standen. Aber der Film rennt eher unbeholfen gegen den Rahmen, schafft es selbst mit moderner CGI-Dino-Power nicht diese Türen einzurennen, oder zumindest nur in ganz wenigen Punkten. Und mit diesen positiven Aspekten fange ich direkt mal an, denn JW ist beileibe kann schlechter Film. Chris Pratt hatte als Raptor-Bändiger eine wahre Mammut-Aufgabe vor sich, die er bravurös & mit dem richtigen Mix aus kitschigem Held & lustigen Sprüchen füllt. Der Mann ist definitiv zu (noch) Größerem berufen, das ist nun endgültig unterstrichen. Seine Person ist die sympathischste im gesamten Film & sehenswert, selbst wenn das komplette Raptoren-Zähm-Ding für mich oft zum Kopfschütteln taugte. Aber dafür kann er ja nichts. Auch gut war übersichtliche, nicht zu schnell geschnittene Action, manche Effekte & ein spektakuläres Finale - was bei mir durch Wrestling-Match-ähnliche Züge & überraschende Kooperationen aber ebenfalls oft ungläubiges Schmunzeln mit Staunen verband. Die stärksten Szenen sind die eines sterbenden Brachiosauriers (überraschend traurig!) & die, die einen an die Genialität des Originals erinnern & als Hommage durchgehen. Respekt vor dem Spielberg-Werk hatte man also definitiv. Auch toll ist die Vielzahl an verschiedenen Dinos, der extrascharfe Look (3D habe ich mir zum Glück gespart!) & so mancher Moment, in dem man wieder Kind ist & sich in den Park versetzt findet. Die Militär-, Macht-, Staats- & Sensationskritik ist nett, aber auch alles andere als neu & eher Neuauflage des ersten Teils.
Ihr könnt es ahnen, dass nun eine leider wesentlich längere Liste an Kritikpunkten kommt, die den Film nicht zerreißen, aber einfach das verschenkte Potenzial beleuchten soll. JW ist oberflächlich, hat mehr unsympathische Charakter als einem lieb ist, die Dinos verkommen oft zu belanglosen Monstern, es gibt dutzende Logiklöcher & fragwürdige Story-Entscheidungen. Selbst die Effekte & der gesamte Park ist weniger beeindruckend als erhofft & wirkt oft geschludert. Die stärksten Szenen bleiben die mit mechanischen Effekten & Dinos, CGI erkennt man immer 3 Meilen gegen den Wind. Die Kinder wechseln von unnötig zu nervig und zurück zu ganz süß, der Rest des Casts war sich wohl nicht ganz sicher, ob der Film sich ernst nimmt oder richtig kitschig-blöd wird. Im Endeffekt entschied man sich für eine oft irritierende Mischung, bei der mehr Gags nicht zünden als sie es tun & die Action kaum Spannung erzeugt. Insgesamt erinnert mich JW etwas an Indy 4, vielleicht nicht ganz so extrem. Und das ist wie jeder weiß, sicher kein Kompliment! Der Film ist teilweise überraschend kitschig & comicartig, noch dazu voll mit Produkt-Placement & keine einzige Wendung in der Geschichte ist überraschend. Das sind schon einige Menge ärgerliche Punkte, die dem Film viel Faszination & Magie nehmen. Da gucke ich lieber das 27. mal den ersten Teil... aber das der unerreicht bleibt, war ja eh schon vorher klar!
Fazit: besser als Teil 3, das war auch keine Kunst. Aber selbst wenn man Teil 1 außer Acht lässt, nur ein artifizieller Sommer-Monster Movie... lasst das Franchise ruhen? Sollte man sich mal durch den Kopf gehen lassen...