Nach dem katastrophalen Scheitern des Jurassic Parks auf Isla Nubar, dem Chaos, das die entflohenen Dinosaurier anrichteten, ist der Park unter neuem Namen wieder eröffnet. Um die Besucherzahlen weiter zu steigern bedarf es nun jedoch mehr als einiger Raptoren und eines T-Rex, weswegen man im Labor einen gentechnisch veränderten Hybriden, einen künstlichen Dinosaurier, heranzüchtet. Dieser entpuppt sich dann aber als cleverer und gefährlicher als gedacht, weswegen er aus seinem Gehege entkommen kann. Mitten im daraufhin ausbrechenden Chaos befindet sich die von Bryce Dallas Howard gespielte Leiterin des Parks, die nun versucht, ihre Neffen in Sicherheit zu bringen. Währenddessen muss sich ein ehemalige Navy-Soldat, gespielt von Chris Pratt, mit einigen Militärs herumschlagen, die Velociraptoren in künftigen Kriegen einsetzen wollen und den Ausbruch des Hybriden als wunderbare Gelegenheit betrachten, die Raptoren im Einsatz zu testen.
„Jurassic Park“ ist ohne Zweifel einer der besten Blockbuster der 90er Jahre, ein tricktechnischer Meilenstein und bis heute einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Die Szene, in der die von Sam Neill und Laura Dern verkörperten Protagonisten erstmals auf lebende Dinosaurier treffen, dürfte jedem Filmfan immer noch lebhaft vor Augen sein, auch wenn er den Film seit Längerem nicht mehr gesehen hat. „Jurassic Park“ war ein Film, der vor allem von diesem „Wow-Effekt“ lebte, Steven Spielberg der erste, der diverse ausgestorbenen Urzeit-Geschöpfe täuschend echt auf die Leinwand zauberte, womit er die Zuschauer ähnlich wie die Parkbesucher im Film zu beeindrucken vermochte. Im zweiten Teil konnte Spielberg die Spannung weiterhin hoch halten, doch schon im dritten Teil zeigte das Konzept Abnutzungserscheinungen, weil die lebenden Dinosaurier allein keinerlei Neuigkeitswert mehr hatten und auch die Story nicht mehr viel hergab.
Vor ähnlichen Problemen stehen im vierten Film der Reihe, dem Neustart 14 Jahre nach dem dritten Teil, nun auch die Verantwortlichen der „Jurassic World“. Die Dinos allein ziehen das Publikum kaum noch in ihren Bann, deswegen versuchen sie mit einem neu erschaffenen Ungetüm, das noch größer, fieser, intelligenter und gefährlicher als alle anderen ist, die Zuschauerzahlen zu steigern und die Menschen noch nachhaltiger zu beeindrucken. Eine größenwahnsinnige und folgenschwere Entscheidung, wie sich im Laufe des Films schließlich in aller Deutlichkeit herausstellen soll, was auch den Machern des Films eigentlich eine Lehre hätte sein sollen. Doch auch sie erliegen der Logik, alles noch größer, noch dramatischer und noch gefährlicher machen zu müssen.
So bekommen die Zuschauer hier einen Dinosaurier präsentiert, der genauso gut gegen „Godzilla“ kämpfen oder dem „Pacific Rim“ entstiegen sein könnte. Das ist insgesamt aber etwas hanebüchen und nicht unbedingt das, was man von der „Jurassic Park“-Franchise erwarten würde, zumal die Palette an Tieren, deren DNA für das Splicing herhalten musste, immer weiter ausgebaut wird. Nerviger als der neue Saurier, der sicherlich noch zu verkraften gewesen wäre, ist aber der Subplot um das amerikanische Militär, das Raptoren in künftigen Kriegen einzusetzen gedenkt. Einerseits sind Versuche des US-Militärs die verschiedensten Tiere, Monster, Aliens, Viren und Entdeckungen als Waffe einzusetzen mittlerweile Gegenstand allzu vieler Filme gewesen, sodass die Idee einfach ausgelutscht ist. Andererseits will es nicht wirklich plausibel erscheinen, dass das US-Militär kaum eingreift, um die über 20.000 Parkbesucher vor dem entlaufenen Ungetüm zu retten, vom insgesamt sehr unglaubwürdigen und dilettantischen Katastrophenmanagement ganz zu schweigen. Die Präsenz des Militärs auf der Insel hätte man sich auf jeden Fall sparen können, auch hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Der Rest der Story besteht fast ausschließlich aus Versatzstücken von „Jurassic Park“, weswegen das Geschehen jederzeit kalkulierbar ist. Mal wieder gilt es zwei Geschwister zu finden, die in der Wildnis verloren sind, während die Parkmitarbeiter, die die entflohenen Saurier einzufangen versuchen, als Futter enden. Ein weiteres Ärgernis sind die klischeebeladenen, profillosen Figuren und die teilweise sehr platten Dialoge. Das alles führt besonders im Mittelteil, der nicht allzu viel Action bereithält und in vollkommen absehbarer Weise auf den Showdown zusteuert zu zahlreichen Längen aufgrund derer „Jurassic World“ der Sprung über das Mittelmaß hinaus nicht gelingt.
„Jurassic World“ ist aber auch kein schlechter Film. Anfangs präsentiert Regisseur Colin Trevorrow, der hier erstmals mit einem Budget in schwindelerregender Höhe arbeiten durfte, den Zuschauern einen schön entworfenen Freizeitpark mit ein paar altbekannten Dinos, aber auch dem einen oder anderen neuen. Trevorrow versucht hier zumindest seine Zuschauer in ähnlicher Weise zu überwältigen, wie es dem ersten Teil der Reihe seinerzeit gelang. Zumindest ist es interessant zu sehen, wie die Visionen des ersten Teils in Form der „Jurassic World“ nun Gestalt annehmen. Ebenso gelungen sind die zahllosen Referenzen an den ersten Teil, etwa die Verwendung der Räumlichkeiten des alten Parks, in denen es immer wieder ganz bewusst zu analogen Szenen wie im ersten Teil der Reihe kommt. Dabei wird immer wieder auf die altbekannte, aber immer noch grandiose Filmmusik zurückgegriffen, die des Öfteren für einige schöne, nostalgische Momente sorgt. Außerdem werden ein paar ganz nette Gags eingestreut, die den Mittelteil zumindest einigermaßen überbrücken.
Beim Showdown fährt Trevorrow schließlich großes Geschütz auf, den Saurier-Hybriden, die Raptoren, aber auch zahllose Flugsaurier und den obligatorischen T-Rex. So kommt es zu vielen gut animierten und sehenswerten Action-Szenen, in denen die Dinosaurier zur Freude des Zuschauers dann auch aufeinander losgehen. Darin liegt zumindest ein Vorteil des Konzepts, hier noch mehr und noch gefährlichere Dinosaurier aufzubieten als in den vorherigen Teilen. Was die Animation und die Inszenierung der Action-Sequenzen angeht, wird weitgehend gute Arbeit geleistet, wobei der eine oder andere Effekt ärgerlicherweise sehr deutlich als solcher zu erkennen ist und auch die Umsetzung in 3D ist zum einen unnötig und zum anderen auch nicht immer überzeugend gemacht. Auch darstellerisch gibt es wenig zu bemängeln, so trägt der sympathische Chris Pratt durchaus gelungen durch den Film, während auch Bryce Dallas Howard in der zweiten Hauptrolle weitgehend überzeugt. Insgesamt sind die Figuren und auch ihre Darsteller aber austauschbar, einen Charismatiker a la Jeff Goldblum sucht man hier jedenfalls vergebens.
Fazit:
Letztendlich erzählt Colin Trevorrow die Geschichte des „Jurassic Park“ noch einmal und setzt darauf, dass noch mehr Dinosaurier, noch gefährlichere Killermaschinen und noch größere Schäden an Mensch und Material schon für gute Unterhaltung sorgen werden. Das funktioniert jedoch nur beim bombastischen Showdown, der nach einem etwas zähen und kalkulierbaren Mittelteil für so manches entschädigt. Insgesamt reicht es so dank der gelungenen Referenzen an den ersten Teil und einiger ganz netter Gags für einen ordentlichen Sommer-Blockbuster, zu mehr aber leider nicht.
64 %