Review

"Und vergesst nicht: Wenn euch irgendwas jagt, lauft!"

Der einst unter dem Namen "Jurassic Park" geplante Dinosaurier-Park ist nach dem Debakel vor 22 Jahren doch noch zur Zuschauerattraktion geworden, nunmehr als "Jurassic World". Einige Jahre schon strömen tausende Besucher auf die abgelegene Isla Nublar, um sich an den dortigen einst ausgestorbenen Tieren zu erfreuen. Um für stetige Besucherzahlen zu sorgen, scheuen sich die Wissenschaftler nicht komplett neue Dinosauriere zu erschaffen. Der neueste ist der Indominus Rex, der scheinbar intelligenter ist als andere Dinosauriere.
Als der Indominus Rex aus seinem Gehege ausbricht versucht die Parkleiterin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) die neue Schöpfung schnell und ohne Auffälligkeiten wieder einfangen zu lassen. Der Indominus Rex kann den Sicherheitsdienst aber austricksen. Da ihre Neffen Gray (Ty Simpkins) und Zach Mitchell (Nick Robinson) auch noch auf dem Gelände sind, tut sich Claire mit dem Velociraptoren-Trainer Owen Grady (Chris Pratt) zusammen, der seine Tiere bereits ansatzweise abrichten konnte. Vic Hoskin (Vincent D'Onofrio) sieht den Zwischenfall als einziger zu seinem Vortel, da er die abgerichteten Velociraptoren gerne zu militärischen Zwecken verwenden würde.

"Jurassic World" besinnt sich auf die Stärken des Originals, sprich das Wirken der teils gigantischen ausgestorbenen Tiere und einem beständigen Spannungsbogen, vernachlässigt jedoch Handlung und Figurenzeichnung. Auch ohne die einstigen Darsteller ist der Wiedererkennungswert enorm und die Anspielungen auf den ersten Teil erfreulich. Zu Beginn ist aber etwas Geduld vonnöten.

Der Film beginnt damit die Konstellation der Figuren einzufädeln und die Welt zu präsentieren. Qualitativ ist dies ein ziemlich unzweckmäßiges Durcheinander, denn hinter der verkomplizierten Beziehungskiste verstecken sich nur Klischees und Stereotypen. Somit macht die erste halbe Stunde "Jurassic World" nur langwierig.
Das Manko an markanten Figuren wird durch den Fokus auf die Park-Attraktionen kaschiert. Von den zahlreichen Logik- und Handlungsfehlern abgesehen, funktioniert dies auch recht gut. Somit hat manch ein Raptor schon annähernd soviel Seele, wie die vernachlässigten Protagonisten.

Auch leidet die Authentizität unter der allzu futuristischen Aufmachung. Hologramme, kugelförmige Glas-Vehikel und weitere fortgeschrittene Technologien machen den Film weniger greifbar, als die vergangenen drei Teile.

Aber genug gemeckert, denn der Sommer-Blockbuster kann auch einiges wirklich gut. So sorgt das konsequente Ableben zahlreicher Nebenfiguren, trotz der sonst vorhersehbaren Geschichte, für eine ordentliche Spannungskurve. "Jurassic World" setzt seine Giganten zielgerichtet und brachial ein. Zwar ist hier alles im Rahmen einer FSK12-Freigabe gehalten, die Wucht der Zerstörung und des Fressens von Menschen ist jedoch trotz nicht sichtbarer Details angenehm schaurig. Dafür sorgt die Geräuschkulisse. Insofern ist es schade, dass die Filmmusik abseits des Originalthemas keine eingängigen Melodien enthält.

Technisch finden sich keine negativen Punkte. Die digitalen Dinos integrieren sich harmonisch in die Kulissen und sehen gerade aus der Nähe beeindruckend, jedoch nicht wegweisend, aus. Da diese an sich die Hauptdarsteller sind, was man an dem stimmungsvollen Schluss auch wiedererkennt, ist es weniger abwertend, dass neben Chris Pratt ("Guardians of the Galaxy", "Her") keinerlei charmante Darsteller vorhanden sind. Das Talent von Bryce Dallas Howard ("Terminator: Die Erlösung") und Vincent D’Onofrio ("Chained", "The 13th Floor - Bist du was du denkst?") wird durch ihre eingeschränkten Rollen spürbar eingeschränkt. Die Kinderdarsteller wirken völlig fehl am Platz.

"Jurassic World" wirkt wie eine gute Mischung der ersten beiden "Jurassic Park" Filme, ohne deren Raffinesse zu erreichen. Dazu ist das Drehbuch zu schwankend, die Figurenzeichnung zu blass und die Logikpatzer zu ersichtlich. Abseits dessen unterhält der etwas zu futuristische Film aber gut, gerade nachdem die unnötige Einführung vorbei ist und die wuchtigen Dinos zur Geltung kommen. Gute ...

7 / 10

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