Review

kurz angerissen*

Da saßen sie im ausverkauften Kinosaal, ließen in regelmäßigen Abständen ihre Smartphone-Displays aufleuchten und merkten nicht, wie sie auf der Leinwand, dem eigentlichen Grund ihres Besuchs, persifliert wurden...

„Jurassic World“ macht genau das Richtige, die Abenteuer-Ansätze der ersten beiden Fortsetzungen zunächst mal auszuklammern und die Ausgangsidee, den Park und das potenzielle Publikum, wieder auf den Plan zu bringen. Natürlich mag der unbeschriebene Colin Trevorrow dadurch mitunter wirken wie ein Verehrer Spielbergs, doch erst durch die offenen Anspielungen auf „Jurassic Park“ wird die Unbelehrbarkeit und Ignoranz des Menschen deutlich, mit der er den Fehlern aus der Vergangenheit begegnet.

„Jurassic World“ entfernt sich von der genwissenschaftlichen und archäologischen Perspektive auf das Sujet und wechselt auf die Marketing- und Kommerschiene, weshalb sich auch die Notwendigkeit prägender Figuren wie jener von Sam Neill, Julianne Moore und Jeff Goldblum erübrigt, und somit leider auch jene kindlich-wissbegierige Faszination für die Saurier, wie man sie als Kind durch alte Bücher mit ihren prägenden Illustrationen aufbrachte. Ersatzweise führt Bryce Dallas Howards stöckelnde Darstellung zu alten Abenteuerfilmklischees der 50er Jahre, während Chris Pratt zielgenau den Machismus eines Clint Eastwood oder Harrison Ford in den 70ern und 80ern bedient – eine durchaus funktionierende Mischung, wie sich dann im Film zeigt, wenn auch nicht bei der Charakterisierung der Figuren an sich, denn diese bleiben hinter sämtlichen Vorgängern deutlich zurück, sondern vielmehr in unterstützender Funktion für die Hauptattraktionen.

Und diese kommen gerade wieder zur rechten Zeit. Momentan jedenfalls brauchen sie nicht unbedingt die Quantensprünge der Effekttechnik, um Aufmerksamkeit zu ernten, denn nach wie vor gibt es keine vergleichbare Alternative zu „Jurassic Park“. Es wurde also verdammt noch mal Zeit für einen neuen Dinofilm. Und obwohl der Anteil an Animatronik erwartungsgemäß auf ein Minimum zurückgeschraubt wurde (und das, wo doch gerade ihr Einsatz den nunmehr über zwei Jahrzehnte alten Klassiker immer noch frisch hält), macht es eine Riesenfreude, die Urzeitechsen wiederzusehen. So sehr, dass man glatt unkritisch werden möchte, was das sicherlich nicht immer makellose Gesamtresultat anbelangt. Und als die alten Bekannten Raptor, T-Rex & Co. schließlich gegen ein Designerprodukt antreten (das seine Rolle als Fiesling über zwei Stunden sehr passabel erfüllt), wird man von einem wunderbaren Drang zur Parteiergreifung geschüttelt, wie man ihn sonst nur von Godzillafilmen kennt – ohne dass „Jurassic World“ dafür Metropolen zerstören müsste.

*weitere Informationen: siehe Profil

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