Review

Ein neuer JURASSIC PARK – da tanzt das Kinderherz in der Erwachsenenbrust!

Dinosaurier sind zur massentauglichen, alltäglichen Attraktion verkommen und der „Jurassic Park“ zum Themenpark im Stile von „Sea World“ oder den „Universal Studios“. Ein neues Highlight muss her. Somit wird im Labor aus verschiedenen Fleischfressern ein Superdino namens „Indominus Rex“ gezüchtet. Blutrünstiger und gefährlicher als alles bisher Dagewesene. Natürlich gibt es mit dem Vieh Probleme. Als es aus seinem Gehege entkommt, müssen der Raptor-Trainer Owen (Chris Pratt, GUARDIANS OF THE GALAXY) und die Parkleiterin Claire (Bryce Dallas Howard, THE VILLAGE, TERMINATOR 4) das Chaos eindämmen, die Besucher evakuieren und zwei abgängige Jungs retten…

Was wie eine groß angelegte Kritik an Gentechnik klingt, ist effektreiches Big-Budget-Kino. Big-Budget im wahrsten Sinne des Wortes: so verschlang Teil 4 doch glatte 150 Mio. Dollar, mehr als doppelt so viel Penunsen wie Teil 1. Steven Spielberg ist als Executive Producer an Bord. Das lässt auf ein Spektakel hoffen.
Mit JURASSIC WORLD verhält es sich in etwa so wie mit dem Kino im Allgemeinen. Wie die Dinos im Film sind auch Blockbuster mit aufwendigen CGIs zum Alltag, zur Norm verkommen. Ein Aufwand, wie er 1993 für Teil 1 betrieben wurde, ist mittlerweile keine Besonderheit mehr, sondern normal. Um die Faszination, die von den prähistorischen Echsen ausgeht, steht es ähnlich. Da gab’s doch so einiges an monströsen, alles verwüstenden Riesenviechern in der Zwischenzeit, siehe TRANSFORMERS, GODZILLA, PACIFIC RIM, CLOVERFIELD etc. Da wirkt ein einzelner genmanipulierter Super T-Rex fast schon ein bisschen wenig.

Es kracht und scheppert trotzdem ausreichend. Und auch dino-technisch wird alles geboten von Pterodactylus über Stegosaurus, bis hin zu T-Rex, Triceratops, Triclops, Trapjaw, Beastman… ach ne, das war ein anderer Film. Der FX-geile Kunde bekommt ein stimmiges Gesamtpaket serviert. Wären da nicht die ein oder anderen Handlungsknackser und Logiklöcher. Die Dinos verkommen einerseits zu hirnlosen Fressmaschinen. Was macht eine Schar Flugsaurier auf der Flucht? Natürlich nicht einfach wegfliegen, sondern wie in DIE VÖGEL wehrlose Parkbesucher attackieren. Andererseits findet eine starke Vermenschlichung statt. Chris Pratt (GUARDIANS OF THE GALAXY) fungiert als Raptoren-Trainer und Alpha-Tier, redet mit seinen schuppigen Schützlingen, streichelt sie und bläst zum Angriff. Naja… Allgemein wird’s im Finale arg kitschig und pathetisch, wenn sich die Dinos gegen den bösen Oberdino verbünden. Und auch etwas dämlich: Schaffte es Sam Neill in Teil 1 kaum dem T-Rex mit einem Jeep zu entkommen, wird dieses Mal in Stöckelschuhen vor den angreifenden Sauriern geflüchtet. Und das sogar erfolgreich. Hmm…

Egal. Als Popcorn-Publikum wird man angenehm anspruchsarm unterhalten. Die Ehrfurcht vor den Dinosauriern ist dahin. Ich bin einfach nicht mehr 11 Jahre alt. Dies wohl die wichtigste, wenn auch leicht traurige Erkenntnis, die ich diesem Gassenhauer verdanke.

Fazit:
Das Wasserglas wackelt nicht mehr. Trotzdem sehr monströs.

Details
Ähnliche Filme