Franks Bewertung

starstarstarstar / 6

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

30.09.2016
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Review

von Frank Trebbin

Die junge Underground-Punk-Rock-Band „the Ain´t Rights“ muss an Gigs nehmen was da kommt und so scheut man sich auch nicht, abseits einer größeren Stadt – quasi mitten im Wald – in einer Bar vor lauter Skinheads zu spielen. Als sich der finstere Veranstaltungsort nach und nach als eine Art Versammlungsstätte der örtlichen Neonazi-Vereinigung entpuppt und dann auch noch Band-Mitglied Pat nach dem Auftritt im wahrsten Sinne des Wortes über einen Mord stolpert, müssen die jungen Punks, die man flugs im Backstage-Bereich eingeschlossen und unter Bewachung gestellt hat, um ihr Leben fürchten, denn der eiligst herbeigerufene White-Power-Chef Darcy setzt alles daran, die Tat vertuschen zu lassen…

Es gibt Filme, die können eine altbekannte Geschichte erzählen und trotzdem richtig gut unterhalten. Jeremy Saulniers „Green Room“ ist so ein Film. Die Handlung, eine fast schon an John Carpenter heranreichende Queer-Beet-Mischung aus Western- und Horrorfilmmotiven, nimmt ihr Sujet ziemlich ernst, lässt lebensnahe Figuren aufmarschieren und verweist die üblichen Vorurteile, die man gegen Nazi-Skinheads oder Punks haben mag, eher auf hintere Plätze und überrascht damit, dass beide Gruppen anfangs überhaupt nicht auf stupide Gewalt sondern auf Worte setzen, um die Situation in den Griff zu bekommen. Doch auch später, wenn es zu eskalieren beginnt, agieren die Bösewichter nicht wie sonst üblich als dumpfbackige Schläger sondern als kühl abwägende, berechnende Kriminelle. Das alles ist pfiffig, das alles hat mehr Tiefgang als erwartet. Recht unangenehm und kaum vordergründig im Sinne billiger Exploitation ist dann das doch noch unvermeidliche Blutvergießen, das hier sehr naturalistisch präsentiert wird. Dabei darf man Jeremy Saulnier zugutehalten, nie unnötig lange „draufzuhalten“ sondern vieles schnell und eher überraschend beiläufig abzuhaken. So wird aus „Green Room“, der Titel steht für den grün gestrichenen Backstage-Raum, in dem ein Großteil der Story stattfindet, ein packender, realistisch anmutender Survival-Thriller, der nicht – wie sonst en vogue – in der feindseligen Natur spielt sondern schon durch die Belagerungssituation und die abgeschlossenen Set-Pieces in die Fußstapfen von Sam Peckinpahs „Wer Gewalt sät“ tritt und ebenso wie dieser in seiner gesellschaftlichen Betrachtung eine nicht uninteressante Fußnote abliefert. Fazit: rundum gelungen. Bildformat: 2,35:1. Mit Anton Yelchin, Imogen Poots, Patrick Stewart, Macon Blair u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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