Franks Bewertung

starstarstar / 3

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

13.09.2016
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Review

von Frank Trebbin

London in den 1880er Jahren. Sein ganzes Leben lang wurde ein namenloser Buckliger in einem Wanderzirkus als Clown misshandelt und wie ein Leibeigener gehalten. Als eines Tages die Trapezkünstlerin Lorelei abstürzt und der Geschundene ihr durch sein beherztes Eingreifen das Leben rettet, lernt er auch den Arzt Victor Frankenstein kennen, der ihm die Flucht aus dem Zirkus ermöglicht. Frankenstein, der an der Erschaffung künstlichen Lebens interessiert ist, lässt seinen neuen, an Anatomie interessierten Freund in die Rolle seines Assistenten Igor schlüpfen und gemeinsam arbeiten sie auf ein erstes Experiment hin…

Schon von der ersten Minute an ist klar, dass sich Paul McGuigan mit seinem „Victor Frankenstein“ von allen bisherigen Mary-Shelley-Adaptionen abheben möchte, indem er nicht etwa den brillant-verrückten Wissenschaftler als Hauptperson agieren lässt sondern die Geschichte aus der Sicht seines Faktotums Igor (wirklich gut: Daniel Radcliffe) erzählt, der bekanntermaßen nicht in der literarischen Vorlage vorkommt. So erhält der seit James Whales „Frankenstein“ (1931) etablierte, immer nur als minder intelligente Randfigur abgehandelte Bucklige weit mehr Spielraum als üblich (neu – wie so manche behaupten – ist das allerdings nicht: schlag nach beim mediterranen Kino der 1970er Jahre!) und sogar einen knappen biografischen Hintergrund. Und genau dieses erste Viertel, in dem Igors Werdegang und das Kennenlernen Frankensteins lustvoll und mit viel Liebe zu viktorianischen Details erzählt wird, grenzt den an der Kinokasse überraschend gefloppten „Victor Frankenstein“ auch tatsächlich von allen anderen bisherigen Frankenstein-Filmen ab; hier setzt der eher-Drama-als-Horrorfilm ganz stark auf Atmosphäre und die leise Töne der Geschichte. Doch als es an die Erschaffung von Leben, dem Hauptmotiv jeder Frankensteinschen Geschichte geht, ändern sich Tonlage und Inszenierung jäh und man erlebt als Zuschauer, wie Paul McGuigan seinen Ausstattern freien Lauf lässt, ein CGI-Gewitter das nächste jagt und man mit weiteren, frei erfundenen Nebenhandlungen um einen Scotland-Yard-Inspektor (rettet die Szenen: Andrew „Moriarty“ Scott) und Igors Liebesleben einfach nur noch mit der Popcorn-Kino-Keule um sich schlägt. Das ist dann der Teil der trotz opulenter Optik und flotter Erzählweise schnell langweilt. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit James McAvoy, Jessica Brown Findlay, Charles Dance u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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