Franks Bewertung

starstarstar / 4

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

15.08.2016
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Review

von Frank Trebbin

Eigentlich wollte der junge investigative Journalist Sam aufgrund seiner arabischen Wurzeln nur einen Insider-Bericht über die vielen geheimen Moschees in den Pariser Vororten machen, doch plötzlich ist er mittendrin in einer kleinen Gruppe von gleichaltrigen Islamisten, die sich von dem aus Pakistan heimgekehrten Hassan instrumentalisieren und zu einer Terrorzelle formieren lassen. Sam wendet sich sofort an den französischen Geheimdienst und wird – völlig überraschend – am Aussteigen gehindert, weil er der Einzige ist, der zu den Hintermännern führen könne. Quasi völlig auf sich alleine gestellt, muss Sam mitansehen, wie das Ziel der Terroristen immer konkretere Formen annimmt...

Manchmal sind Filme ihrer Zeit weit voraus – so geschehen bei Nicholas Boukhrieffs „Made In France“, einem 2014 abgedrehten, aber weitaus früher geschriebenen und immer wieder aus gegebenem Anlass verschobenen Film über das Innenleben einer Terrorzelle, die sich „mitten uns uns“ zusammenfindet und agiert. Das Erschreckende daran ist zum einen, dass der Ort der Handlung ein gesichtsloser Pariser Vorort ist und man „Made In France“ quasi als Prophezeiung für das Attentat auf Charlie Hebdo und den 13.11.2015 deuten kann, und zum anderen, dass bis auf das eher aus „enttäuschende“ Happy End (ein Zugeständnis ans zahlende Publikum?) das Ganze höchst realistisch daherkommt und das übliche Heldengehabe aus zumindest inhaltlich ähnlich gestrickten reinen Actionstreifen gänzlich ausgeblendet wird. Auf den Auftritt eines Jason Bourne oder Ethan Hunt wartet man hier vergeblich – im Gegenteil: der französische Geheimdienst nimmt keine rühmliche Rolle ein. Das alles ist von Nicholas Boukhrieff ohne den Einsatz vordergründiger Spannungsmomente recht nüchtern und dokumentarisch betrachtend inszeniert worden, von genregerechter Thriller-Unterhaltung kann man hier wahrlich nicht sprechen – ein Umstand, der es natürlich für ein normales Publikum nicht leicht macht, „Made In France“ als fiktional zu betrachten und nicht als eine Art dokumentarischen Insider-Bericht mit Spielszenen, quasi ein „Aktenzeichen XY“ für das terrorgebeutelte französische Volk. Ob „Made In France“, der beileibe auf seine Art gut gemacht, schauspielerisch solide und sehr unbequem ist, von einer breiten Masse selbst fürs Heimkino angenommen wird wie erhofft, bleibt höchst zweifelhaft. Bildformat: 2,35:1. Mit Malik Zidi, Dimitri Storoge, Nassim Si Ahmed, François Civil u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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