Franks Bewertung

starstarstar / 7

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

27.10.2016
1.625 Mal gelesen

Review

von Frank Trebbin

Einst konnte die damals 10jährige Lucie, die offenbar ein Opfer von Kindesentführung war, ihren Peinigern entkommen. Weil es aber nie richtige Beweise für dieses Verbrechen gab, glaubten selbst die Schwestern des Waisenhauses, in das man sie steckte, ihr nur sehr zögerlich. Lediglich die gleichaltrige Anna steht ihr als Freundin zur Seite und kann sie immer dann beruhigen, wenn Lucie von ihren eigenen (inneren?) Dämonen verfolgt wird. Heute, als junge Frau, überfällt Lucie das Haus eines Arztes und ist davon überzeugt, einem der Täter von damals zur Strecke gebracht zu haben. Anfangs ist Anna, die zu dem Haus gerufen wird, skeptisch, doch dann entdecken die beiden einen geheimen Kellergang...

Warum nur ist es oftmals so schwer, sich US-Remakes von europäischen (Erfolgs-)Horrorfilmen vorurteilsfrei zu nähern? Quasi als selbsterfüllende Prophezeiung erwartet man immer Schimpf und Schande; lässt faktisch nie zu, dass auch das Remake möglicherweise gar nicht mal so schlecht ist. Dieses voller Automatismen steckende Abkanzeln – insbesondere von Fans des jeweiligen Originals – ist umso lauter, wenn sich die Produzenten aus Übersee mal wieder an einem ganz großen Stück hiesigem Horror-Kino vergreifen. Kein Wunder also, wenn man an „Martyrs“ (2015) kaum ein gutes Haar ließ, denn „Martyrs“ (2008) von Pascal Laugnier zählt doch als solches und gilt als Landmarke in punkto Härte. Natürlich erreichen die Gebrüder Goetz mit ihrem – auch das war zu erwarten – wesentlich glattpolierterem (und weitestgehend entsexualisiertem) Remake nicht die Intensität und das Gefühl schieren Terrors des Originals, doch das war auch kaum die Intension der Macher, oder? Viel eher wollte man eine gute Geschichte (immerhin zeichnet sich die erste Hälfte des Films immer noch durch den Zweifel an Lucys „Monstern“ aus und bleibt hübsch rätselhaft) recyceln und für einen ganz anders gestrickten Markt aufbereiten. So unterscheidet sich auch die zweite Hälfte ganz offenkundig von dem französischen Original dadurch, dass man die provakante, mit Erklärungen geizende Verstörung des Publikums durch u. a. deftige Schocks zugunsten einer eher temporeichen, nach den Regeln des Popcorn-Kinos „spannenden“ Flucht-und-Rache-Inszenierung aufgegeben hat. Dies muss man nicht mögen – gerade wenn man auf den direkten Vergleich aus ist –, dies muss man aber auch nicht unbesehen verurteilen, denn immerhin funktioniert so das Remake auf seine ganz eigene Weise und ist filmtechnisch betrachtet keineswegs so schlecht wie behauptet. Hey, gebt der Goetz-Version von „Martyrs“ doch bitte eine Chance! Bildformat: 2,35:1. Mit Kate Burton, Troian Bellisario, Bailey Noble, Elyse Cole u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

Details
Ähnliche Filme