Franks Bewertung

starstarstar / 5

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

17.05.2016
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Review

von Frank Trebbin

Wyoming, einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Eine Kutsche bahnt sich mühsam ihren Weg durch den Schnee in Richtung Red Rock. An Bord befinden sich der Kopfgeldjäger John „Der Henker“ Ruth, dessen Gefangene Daisy Domergue sowie der Anhalter Major Marquis Warren, ehemaliger Soldat und nun ebenfalls Kopfgeldjäger, und Chris Mannix, ein Deserteur aus den Südstaaten, der behauptet, der neue Sheriff von Red Rock zusein. Ein Schneesturm zwingt die Gruppe zu einem Zwischenstopp in Minnies Miederwarenladen. Sie treffen dort auf den mysteriösen Mexikaner Bon, den verschwiegenen Cowboy Joe Gage, den Konföderierten-General Sanford Smithers sie Oswoldo Mobray. Während der Sturm draußen immer heftiger tobt, begreifen die acht Fremden, dass ihr Zusammentreffen vielleicht gar nicht so zufällig ist und sie Red Rock möglicherweise nie erreichen werden… (Zitat: Covertext)

Eigentlich heißt es ja „das verflixte 7. Jahr“ und nicht „der verflixte 8. Film“, oder? Denn „The Hateful 8“ ist, wenn man ihn mit anderen Werken Quentin Tarantinos in einen direkten Vergleich stellt, nicht ganz so gut gelungen: die Dialoge gehen kaum als geschliffen durch und die erste Stunde des gemeinhin als überlang empfundenen Western erscheint vielen als überflüssige Exposition ohne richtigen Pfiff. Wie konnte das passieren? Ob nun Tarantino nach seiner süffisant-blutigen Sklaverei-Anklage „Django Unchained“ mal wirklich etwas Neues ausprobieren wollte oder gar tatsächlich der Skript-Hack mit einem daraus resultierendem Umschwenk Schuld trägt – das alles sind Spekulationen, die dem Fan des selbsterlernten Filmemachers nicht wirklich weiterhelfen. Fakt ist, dass sich der Film„The Hateful 8“ über weite Strecken zu offensichtlich selbst im Weg steht, eine nicht unerhebliche selbstreferenzielle Langeweile gepflegt wird und man praktisch nach dem ebenfalls mit Kurt Russell besetzten „Death Proof“ mit der Nase drauf gestoßen wird, dass Tarantino oft das größte Problem für Tarantino ist! Quentin, muss es denn immer noch ein bisschen cooler, noch ein bisschen ausgefeilter und noch ein bisschen skurriler sein als im Film davor? Nicht, wenn die Substanz an sich nicht stimmt, oder? Doch selbst wenn möglicherweise „The Hateful 8“ als Agatha-Christie-zehn-kleine-Nergerlein-Spiel-im-verschneiten-Wilden-Westen konzipiert war, wie es die oben zitierte Inhaltsangabe gerne glauben machen möchte, so stellt man doch als erfahrener Filmfan fest, dass wir bei der alten Charles-Bronson-Alistair-MacLean-Kollaboration gleichen Zuschnitts („Nevada Pass“, 1975), mehr Spannung, mehr Action und vor allem mehr Tempo hatten. Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn „The Hateful 8“ mit ein paar schauspielerischen Bestleistungen glänzen könnte, doch selbst da ist Ebbe in der Kiste und auch die Frage, ob Tim Roth als Quasi-Christoph-Waltz-Ersatz nun punktet oder nicht, ist nicht ergebnisentscheidend. Was bleibt einem also bei „The Hateful 8“? Na, auf jeden Fall die betörend schönen Super-Panavision-70-Bilder von Kameramann Robert Richardson, die immer mehr an Pornographie gemahnende Gewalt und die Gewissheit, dass das Thriller/Mystery-Metier nicht Tarantinos Ding ist. Bildformat: 2,75:1. Des weiteren mit Samuel L. Jackson, Jennifer Jason Leigh, Michael Madsen, Bruce Dern u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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