3D-Review
Im alten Ägypten ist ein großer Bruderstreit unter den Göttern, die zwar größer als die Menschen sind aber unter ihnen leben, im Gange: Osiris und Set herrschen beide über ihre jeweiligen Teile des Landes, doch Set möchte gerne allein regieren. Deshalb nutzt er die Inthronisierungsfeier von Osiris Sohn Horus dazu, die Macht an sich zu reißen und Horus zu verbannen – nicht ohne ihm vorher die Augen zu entreißen. Der kleine Dieb Bek verliert in dem Chaos der Machtübernahme Sets seine Freundin und will diese dem Totengott Osiris entreißen – doch dazu braucht er die Hilfe von Horus...
Eins muss man ja Gerald Butler lassen: bei der Auswahl seiner Rollen ist der smarte Schotte nicht zimperlich. Ob nun als tougher Action-Held („London Has Fallen“), romantischer Frauenliebling („Der Kautions-Cop“) oder als überlebensgroße Historien-Gestalt („300“) - überall macht er eine gute Figur, so also auch hier in dem überkandidelten Blockbuster-wird-zum-Trash-Fest namens „Gods Of Egypt“, bei dem die alt-ägyptische Mythologie derart freizügig ausgelegt wird, dass „Zorn der Titanen“ wie ein Orginal-Text von Sokrates daherkommt oder gar „The Scorpion King“ wie ein National-Geographic-Doku. Viele Kritiker haben dies Regisseur Alex Proyas – da er selbst in Ägypten als Sohn griechischer Eltern geboren wurde – übel genommen und seinen Film leider nicht als das erkannt, was er tatsächlich darstellt: ein unterhaltsames, massentaugliches Fantasy-Märchen für Popcorn-Jünger und CGI-Welten-Anbeter in der Liga von „John Carter – Zwischen zwei Welten“ und Konsorten. Die Ausstattung – sei es nun gepixelt oder echt – ist opulent, die Kämpfe und Aktionen leben von billiger Videospiel-Optik, die Story selbst erscheint gleichsam wirr wie geradlinig und die Figuren mit ihren Dialogen, ja die Figuren sind dermaßen überhöht, dass sie schon wieder gewitzt und originell wirken. Man sieht: so sehr man sich einerseits über „Gods Of Egypt“ auch ärgern mag, so faszinierend und kurzweilig ist er doch auch, denn immerhin konnte sich das Kind in Proyas, der auf den allzu düsteren Touch seiner bisherigen Werke verzichtet, auf einer Spielwiese namens Alt-Ägypten so richtig austoben – aber: bloß das Hirn nicht einschalten! Auch nicht zwingend einschalten muss man die 3D-Fassung von „Gods Of Egypt“. Ok, die Tiefenstaffelung ist zwar insgesamt betrachtet recht gut, doch leider fehlt es an dem gewissen Mehrwert. Selbst solche handelsüblichen Pop-Out-Effekte wie Ascheregen oder in die Kamera gehaltene Schwerter oder Speere sind nur bedingt überzeugend, weitestgehend verpuffen solche Momente nämlich ohne jede Wow-Wirkung. Auffällig ist auch, dass gerade die am Rechner entstandenen Hintergrundbilder eher flach und nach zwar animierten, aber alten Matte-Paitings aussehen. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Brenton Twaites, Nikolaj Coster-Waldau, Chadwick Boseman u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin