Franks Bewertung

starstarstarstar / 7

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

19.10.2017
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Review

von Frank Trebbin

Bogota, Kolumbien. Für den Belko-Konzern arbeiten neben Einheimischen jede Menge US-Amerikaner in dem abseits der Stadt gelegenen Bürokomplex. Als eines Morgens überhaupt kein Kolumbianer am Arbeitsplatz erscheint, ahnt noch niemand, dass dies kein gewöhnlicher Bürotag werden wird: plötzlich ist das Haus komplett verriegelt und eine Stimme kündigt über Lautsprecher an, dass von den 80 Mitarbeitern, die sich dort befinden, nunmehr zwei sterben müssen, damit die anderen überleben können. Weil man das für einen blöden Scherz hält, lässt man die Zeit verstreichen. Als diese abgelaufen ist, sterben wie durch unsichtbare Hand gleich vier Kollegen, denn die aus Versicherungsgründen implantierten Chips im Kopf der Belko-Angestellten explodieren. Nun verkündet die Stimme die nächste Runde: 30 müssen sterben…

Was für ein verstörender kleiner Film über die gesellschaftlichen bzw. menschlichen Abgründe. Wie weit würdest Du gehen, um Dein Leben zu retten? Wann bist Du bereit, sämtliche moralischen Regeln über Bord zu schmeißen? Wie schnell macht sich Faschismus und Mitläufertum in unserer Gesellschaft breit? Um diese Fragen kreist der als wilde Mixtur aus Horror- bzw. Splatterfilm, Drama, Action-Thriller oder gar einfach nur irrwitzige Büro-Satire konzipierte und auch so von Greg McLean inszenierte „Das Belko Experiment“, bei dem Drehbuchautor James Gunn aus den 1960er und -70er-Jahren bekannte Psycho-Experimente weiterspinnt und ein krass-brutales „Battle Royale“-Szenario entwirft, das schlussendlich in einer überspitzten Kritik an Globalisierung, Kapitalismus und moderner Arbeitswelt mündet. Das erstaunlichste an „Das Belko Experiment“ ist allerdings, dass trotz eines zahlreichen Aufgebots von Rollen und entgegen einer nur sehr, sehr oberflächlichen Einführung der Hauptprotagonisten einem das Schicksal eines jeden einzelnen Belko-Mitarbeiters überhaupt nicht kalt lässt und man faktisch mit jedem Opfer mitzittert. Das ist die große Stärke des Films, das unterscheidet ihn von anderen Schlachtfesten, bei denen man einfach nur Pornografie-gleich das Töten als seelenlose Bilderschau präsentiert – und das, obwohl Greg McLean mit Blutvergießen wahrlich nicht geizt und manch ein Tod extrem zerstörerisch inszeniert wurde, indem die archaische Urgewalt, die offenbar in jedem von uns noch schlummert, hemmungslos ihren Lauf nimmt. Dem Gespann Gunn-McLean ist es jedoch durch viele kleine Spitzfindigkeiten zu verdanken, dass das alles insgesamt betrachtet immer noch im erträglichen Rahmen geblieben und „Das Belko Experiment“ überdrehtes Midnight-Movie und ernsthafte Gesellschaftskritik zugleich geworden ist. Beides extrem kurzweilig und unterhaltsam. Bildformat: 2,35:1. Mit John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona, John C. McGinley, Melonie Diaz u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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