Franks Bewertung

starstarstarstar / 2

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

22.11.2017
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Review

von Frank Trebbin

Sean und Ethan, zwei Studenten, haben einen mürrischen Nachbarn: Mr. Grainey. Ihn wollen sie in den Mittelpunkt eines großangelegten Streiches stellen, der die beiden im Internet berühmt machen soll. Dazu wird das Haus Graineys mit Überwachungskameras und technischen Gimmicks, die Spukereignisse vorgaukeln, gespickt. Als die falschen paranormalen Ereignisse einsetzen, reagiert der eigenbrötlerische Alte, der auffallend oft in der Nacht viel Zeit im Keller seines Hauses verbringt, nicht so wie geplant. Das macht Sean und Ethan ziemlich neugierig, denn immerhin weiß man ja, das Graineys Frau schon seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen wurde. Die beiden beschließen, dem Geheimnis im Keller auf den Grund zu gehen…

Ok, einen leichten Touch von „Das Fenster zum Hof“ kann man erahnen und, ja, „The Good Neighbor“ kommt streckenweise irgendwie auch in Hitchcock-Manier daher, doch das ist auch schon alles, was Kasra Farahanis Psychothriller möglicherweise mit dem Regie-Altmeister und mit dem Begriff altmodisch in Verbindung bringt, denn ansonsten erlebt man modernes, innovatives Genrekino mit durchaus perfiden Überraschungen. Schon alleine die intelligent gemachte Inszenierung aus zusammengeschnittenem Found-Footage- bzw. Überwachungskamera-Material (hier funktioniert es mal sowohl formal als auch inhaltlich) und konventionellen Spielszenen – präsentiert als Kombination aus wechselnden Bildformaten und (vereinzelt eingesetzten) Split-Screen-Bildern – gepaart mit der auf verschiedenen Zeitebenen spielenden Handlung setzt sich deutlich vom üblichen Erzähl-Einerlei Hollywoods ab und sorgt für erhebliche Frische. Wirkliche Spannung bezieht „The Good Neighbor“ allerdings aus dem Umstand, dass der Verlauf der Geschehnisse wahrlich nicht vorhersehbar ist, mehrfach Erwartungsreflexe unterlaufen werden und man sich das über weite Strecke undurchsichtige Ganze Szene für Szene erarbeiten muss. Ein Film mal so nebenbei ist „The Good Neighbor“ wahrlich nicht. Und wenn man dann zum Schluss auf bittere Weise erkennen muss, wie sich Drama und Tragödie auf schicksalhafte Weise verbinden und eine Leiche im Keller nicht immer nur eine Leiche im Keller ist, dann weiß man, hier in kleines Juwel entdeckt zu haben, welches von guten darstellerischen Leistungen (völlig uneitel: der mittlerweile 77jährige James Caan als knurriger, unheimlicher Alter) und der Erkenntnis, dass nicht jeder Schabernack mit einem Lachen endet, getragen wird. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Logan Miller, Keir Gilchrist, Laura Innes u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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