In dem kleinen, verschlafenen südkoreanischen Ort Goksung passieren mysteriöse Todes- bzw. Mordfälle, bei denen sich bislang friedliebende Dorfbewohner, die einen Hautausschlag aufweisen, scheinbar grundlos in blutgierige Killermaschinen verwandeln. Polizist Jong-goo, der von seinen Vorgesetzten schon manchmal als Vollidiot gescholten wird, ist eigentlich gar nicht erst bemüht, Erklärungen für das Verhalten der Täter zu finden sondern setzt wie viele andere auch nur auf eine Karte: ein am Waldrand lebender Japaner wird schnell für schuldig befunden. Während also die Dorfgemeinschaft und Jong-goos Kollegen aus falsch verstandenen Traditionen und Geisterglauben heraus mal eben schnell Jagd auf den Unschuldigen machen, fängt die Tochter, die auch besagten Hautausschlag hat, an, sich merkwürdig zu benehmen…
Dass das asiatische Horrorfilmgenre nicht nur aus Godzilla, hüpfenden Vampiren oder langhaarigen Geistermädchen besteht, ist dem aufgeschlossenen Zuschauer hierzulande ja durchaus bewusst. Und dass es hier wie dort auch als schräg empfundene Filme gibt, die sich nicht unbedingt sofort für ein breites Publikum empfehlen, ist wohl ebenso selbstverständlich. Mit „The Wailing – Die Besessenen“ hat es mal wieder eines dieser vermeintlichen, schwer zu erschließenden Kleinode zu uns geschafft, die gleichsam faszinierend, weil anders, aber auch für hiesige Sehverhältnisse halt irgendwie schräg daherkommen. Schon von Beginn an setzt Regisseur Na Hong-jin, der bereits mit „The Yellow Sea“ einen ganz besonders fatalistisch-dreckigen Crime-Thriller abgeliefert hat, auf eine Atmosphäre / Stimmung, die so düster wie eben auch nicht greifbar ist. Während in vergleichbaren US-Produktionen zumeist propere Vorstadt-Familienverhältnisse erst genüsslich demontiert und zum Schluss wieder errettet bzw. zementiert werden, gibt es in „The Wailing – Die Besessenen“ nichts vergleichbares: der Familienvater ist ein tollpatschiger Trottel von Polizist, der schamlos vor den Augen der Tochter rumvögelt, während um ihn herum alles im ländlichen Dreck erstarrt. Sich hier als (westlicher) Zuschauer zurechtzufinden oder gar Identifikationsfiguren auszumachen, fällt schwer – egal wie sehr man sich von der auf üppige 156 Minuten aufgeblähten Geschichte, die man durchaus als Kritik am Althergebrachten verstehen kann, vereinnahmen lässt, denn Na Hong-jin kostet diese Laufzeit fast schon meisterlich aus, um das Grauen quälend langsam aus den mitunter wohlfeilen Bildern kriechen zu lassen. Rein inhaltlich betrachtet werden eher dünne Bretter gebohrt und so muss letztendlich jeder für sich entscheiden, ob der mitunter von nervigem Gekreische und einer überlangen, folkloristisch sehr bunten Schamanen-Exorzismus-Sequenz geprägte „The Wailing – Die Besessenen“ ins eigene filmische Befinden passt. Das herkömmliche Mainstream-Publikum sei gewarnt. Bildformat: 2,35:1. Mit Kwak Do-won, Hwang Jung-min, Jun Kunimura, Chun Woo-hee u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin