Kryptologe Robert Langdon wacht in einem Krankenhaus in Florenz auf und kann sich wegen einer schweren Schädelverletzung an nichts erinnern. So hat er auch keine Ahnung, warum man ihm dort nach dem Leben trachtet, denn einen Mordanschlag überlebt er nur dank der Hilfe der intelligenten jungen Ärztin Dr. Sienna Brooks, mit der er flieht. Als er in seinem Besitz ein Rollsiegel entdeckt, dass einen Hinweis auf Boticellis Karte der Hölle und Dantes „Göttliche Komödie“ gibt und die die beiden auf eine spannende Schnitzeljagd schickt, scheint es fast so, als wenn nicht nur sinistre Killer sondern auch die WHO hinter Langdon her sind, denn offenbar trägt der Herr Professor ein gefährliches Pathogen in sich, mit der der Überbevölkerungs-Mahner Bertrand Zobrist die Menschheit dezimieren will…
„Inferno“ ist nach „Der Da Vinci Code“ und „Illuminati“ die dritte Tom-Hanks-Ron-Howard-Dan-Brown-Kollaboration und – augenfälligerweise – die atemloseste. Hat man sich bei den ersten beiden Filmen jede Menge Filmlaufzeit gegönnt, jagt hier Professor Langdon ganz in James-Bond-Manier in gestrengem Zwei-Stunden-Korsett von einem Sightseeing-Schauplatz zum nächsten und lässt die aus den vorangegangenen Teilen bekannten Knobelspielchen, deren bisherige Visualisierung eher die Action ausbremste, nebenbei aber doch mittendrin ablaufen. Das entspricht den Zuschauererfordernissen von heute (immerhin summiert sich die Zeitspanne zu Teil 1 schon auf zehn Jahre); das zeigt, dass man bereit ist, die bisherigen Pfade zu verlassen, was sich auch in der mutigen filmischen Umsetzung widerspiegelt: Ron Howard überrascht mit einer schnörkellosen Inszenierung, die mittels einer hektischen Bilderflut, die den Stilwillen junger Wilder kopiert, schon in den ersten Minuten den Ton vorgibt und der Wechsel zum 1,78:1-Bildformat schafft zusätzliche Nähe zum Geschehen bzw. zieht schneller in die Action hinein, die in „Inferno“ viel vordergründiger abläuft. Im Gegenzug darf Tom Hanks gerade in der ersten Hälfte ironisch mit dem Typus „körperlich agiler Wissenschaftler und Weltretter“ spielen, was nicht nur den üblichen, sonst eher nur stereotyp vorbelasteten Cast-Sidekicks Raum zur Entfaltung gibt sondern auch die hübsche Felicity Jones als Dr. Brooks in den Mittelpunkt rücken lässt. Überhaupt ist es David Koepp mit seinem geradlinig verdichteten Drehbuch gelungen, die literarische Vorlage typisch Brownschen Zuschnitts um ein paar nicht uninteressante Momente zu erweitern und das pessimistische Ende komplett umzudeuten. Es mag sein, dass dies so einigen Erwartungen zuwiderläuft und auch so mancher Plot-Twist arg strapaziert wirkt, doch der (zugegeben konventionellen) Spannung ist dies wirklich nicht abträglich und so kommt es auch in „Inferno“ wie es kommen soll: wo Dan Brown draufsteht, soll auch Dan Brown drin sein. Florenz-Liebhaber werden angesichts der makellosen HD-Bilder eh voll und ganz auf ihre Kosten kommen und die Schnitzeljagd, die quer durch die italienische Hochkultur führt, ist nicht minder reizvoll. Fazit: zwei Stunden gelungene, hochklassige Popcorn-Unterhaltung. Des weiteren mit Felicity Jones, Omar Sy, Ben Foster u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin