London, 1880. Die Varieté-Schauspielerin Lizzie Cree wird des Gilftmordes an ihrem Mann beschuldigt und steht vor Gericht. Zur gleichen Zeit wird Inspector John Kildare auf den Fall eines brutalen Serienkillers angesetzt, der im Armenviertel Limehouse wütet. Als Kildare durch Zufall in den Besitz des Tagebuchs des sogenannten „Limehouse Golem“ gelangt, stellt sich heraus, dass Lizzies toter Mann John zu den Hauptverdächtigen zählt. Nun ist es an Inspector Kildare, dies gerichtsfest zu beweisen, um Lizzies Kopf aus der Schlinge zu ziehen...
Der Ort der Handlung, die Zeitepoche, ein Serienmörder – wer denkt da nicht an den Ripper namens Jack? Ein hartnäckiger, älterer Detektiv (wenngleich im Range eines Scotland Yard Inspectors) – wer denkt da nicht an den klassisch dargestellten Sherlock Holmes? Und wer jetzt noch denkt, dass „The Limehouse Golem“ nur ein billiges Exploitation-Konglomerat aus den genannten, weithin bekannten Vorbildern ist, der irrt gewaltig. Nein, mit dem nicht ungeschickt aus verschachtelten Rückblenden und einer Mischung aus Grand-Guignol-Theater und Gerichtsthriller erzählten „The Limehouse Golem“ erlebt man viel eher die Auferstehung des gediegenen Gruselkrimis im Gewand eines opulent ausgestatteten period picture. Trotz einzeln eingestreuter graphisch-blutiger Details verdingt sich dabei Juan Carlos Medina allerdings nie in den Niederungen oberflächlicher Thriller- oder gar Horrorfilmkost sondern lässt viel eher die dies betreffenden Zügel schleifen und setzt auf ein erlesen fotografiertes Sittengemälde voller stimmiger, weil dreckig-düsterer Atmosphäre, das durchaus auch gewollte Parallelen zu dem insgesamt doch besseren „From Hell“ nicht scheut. Kein Wunder also, dass die Crime-Story an sich dabei etwas unter die Räder gerät, die Spannung arg ausgebremst wird und selbst der sogenannte Überraschungs-Twist zum Ende hin gar nicht mehr vom Hocker reißen will – zu überfrachtet (Karl Marx taucht auch noch als Verdächtiger auf?!) und zu interpretationswütig in punkto Rollen- und Geschlechterklischees ist das Ganze doch letztendlich geworden. Fazit: Autorenkino trifft auf Gothic-Horror – dem Publikum gefällts nur streckenweise. Bildformat: 2,35:1. Mit Bill Nighy, Olivia Cooke, Douglas Booth, Daniel Mays u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin