Auf der einen Seite gibt es da den scheuen, ohne soziale Kontakte lebenden Tierheim-Hilfsarbeiter Seth, auf der anderen Seite seine alte Highschool-Flamme Holly, die ihm bis heute nicht aus dem Kopf geht. Eine zufällige Begegnung der beiden und der Umstand, dass Seth wieder mal nur einen Korb einfährt, lassen in ihm den Plan reifen, Holly zu entführen, um sie zu „retten“. Eingesperrt in einem Käfig im Keller des Tierheims muss die junge Frau nun einen Weg finden, ihrem Peiniger zu entkommen, zumal dieser im Besitz ihres Tagebuches ist und einige ihrer Geheimnisse kennt…
Folterfilme – und zwar die unsäglichen im Fahrwasser nach „Hostel“ oder gar die „Saw“-eigene Sequelmania – hatten wir ja eigentlich schon genug. Warum also sollte man zu „Pet“ greifen, der scheinbar ein ähnliches Thema aufbereitet und genau auf jener Welle zu reiten gedenkt? Nun ja, ganz einfach: „Pet“ ist kein Folterfilm – er gibt es nur vor. Der Spanier Carles Torrens hat diesem sehr speziellen Subgenre nämlich nur ein, zwei typische (weil werbewirksame) Blickwinkel / Motive entnommen und ansonsten ein Skript verfilmen dürfen, welches mit Plottwists nicht geizt und das eindeutig eher in Richtung Psychothriller tendiert. So ist das makabre Katz-und-Maus-Spiel, welches sich zwischen Seth und Holly entspinnt, wahrlich nicht absehbar und darf trotz des eindeutigen Settings (es wurde sogar der Drehort des Original-„Saw“ verwendet) als durchaus erfrischend empfunden werden. Auffällig ist zudem, dass Carles Torrens auf allzu effekthascherische Splatter-Details verzichtet hat (trotzalledem ist „Pet“ blutig genug) und den Protagonisten eine Exposition gönnt, die rund ein Drittel der Laufzeit benötigt. Gerade dies war auch nötig, um die Sympathien so zu verteilen, damit der Rest der Handlung sein Täter-Opfer-Vexierspiel entfalten kann wie vorgesehen. Das macht Spaß, das ist innerhalb des Genres wirklich mal abwechslungsreich. Obwohl „Pet“ nie verleugnet, nur ein B-Movie zu sein, gibt es technisch nichts zu bemängeln und auch die Leistung der beiden Hauptdarsteller ist fehlerlos: sie tragen den Film nämlich fast ganz allein. Im Ergebnis darf festgehalten werden, dass „Pet“ ein kleiner, wirklich fieser Überraschungs-Film geworden ist, den man uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Bildformat: 2,35:1. Mit Dominic Monaghan, Ksenia Solo, Jennette McCurdy, Da’Vone McDonald u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin