Der CEO eines großen New Yorker Finanzdienstleisters hat sich auf Kur in Europa verabschiedet und von dort einen Brief geschickt, der an seinem Verstand zweifeln lässt. Lockhart, ein junger Emporkömmling mit schwieriger Familiengeschichte, reist in das einsam in den Schweizer Bergen gelegene Sanatorium, um den Vorstandsvorsitzenden wieder in die Heimat zurückzuholen. Als Lockhart Opfer eines skurrilen Autounfalls wird, sieht er sich jedoch schnell selbst als Patient des Hauses und ist quasi dazu gezwungen, an der von Sanatoriumsleiter Volmer dringend empfohlenen Kur mit dem ganz speziellen Heilwasser der Berge teilzunehmen. Als er die im Gegensatz zu den anderen Patienten auffällig junge Hannah kennenlernt, die ihn davor warnt, dass er die Anstalt nie wieder verlassen kann, ahnt Lockhart, dass Volmer wohl anderes im Sinn hat, als nur zu heilen…
Gore Verbinski ist ein versierter, innovativer Filmemacher, dessen Werke mitunter schon manchmal ihrer Zeit weit voraus sind (etwa „Lone Ranger“) oder aber süffisant mit der Düsternis spielen obwohl sie eigentlich heiter sein sollten („Fluch der Karibik). Umso gespannter durfte man also sein, als er sich nach dem US-Remake von „Ring“ (immerhin schon aus 2002) mit „A Cure For Wellness“ wieder einmal dem „reinen“ Horrorfilm zuwendet. Dabei herausgekommen ist ein märchenhaft verträumter, ja fast schon entrückter Psycho- oder wegen meiner auch Horrorthriller, der nicht nur wegen seiner zeitlos-gekünstelten Weise irgendwie an Martin Scorseses „Shutter Island“ erinnert: ist er doch genauso sperrig erzählt, mitunter hübsch elegisch und trotzdem magisch anziehend. An der erzählten Geschichte, die nur altbekannte Versatzstücke bereithält und die – das muss man offen sagen – kaum Überraschendes bereit hält (Im Gegenteil: schon der erste Kontakt mit dem Wasser des Sanatoriums lässt den Zuschauer mehr als nur aufhorchen und der Mittelteil gerät fast schon langweilig), kann es also nicht liegen, dass „A Cure For Wellness“ dennoch eine starke, fast schon kafkaesk-surreale Sogwirkung entfaltet. Nein, es sind die erlesenen Bilder von Kameramann Bojan Bazelli, der die prächtigen Sets und pompösen Szenerien geradezu akribisch seziert, die den wirklichen Reiz des über weite Strecken auch als Mystery durchgehenden Film ausmacht. Zusammen mit Verbinskis inhaltlicher Vision eines Best-Of-Genre (inkl. der wohl fiesesten Zahnarzt-Szene seit „Der Marathon-Mann“) pflügt sich Bazelli demzufolge auch bildgestalterisch querfeldein, von Stanley Kubricks „The Shining“ bis hin zu den vielen Filmen von Guillermo del Toro und Mario Bava. Und gerade das klassisch anmutende Barock-Finale mit Feuersbrunst und Demaskierung des Bösen ist es, das den Bogen zur Blütezeit des italienischen Horrorfilm-Kinos oder zu den Produktionen der britischen Hammer-Films spannt. Fazit: „A Cure For Wellness“ ist mal wieder ein Paradebeispiel für Style Over Substance, aber dafür ein wirklich augenfällig erlesenes voller schaurig-schönem Eye Candy, Frankensteinschen Apparaturen und morbiden Drehorten. Bildformat: 1,78:1. Mit Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth, Harry Groener u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin