Franks Bewertung

starstarstarstar / 2

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

15.08.2017
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Review

von Frank Trebbin

Irland, kurz nach 1900. Der britische Offizier Percival Fawcett wird nach Bolivien abkommandiert, um dort die Grenze zum Nachbarland Peru zu kartieren. Obwohl er dafür Frau und Kind in der Heimat lassen muss, nimmt der Major den Auftrag an, denn nur so kann er auf sich geladene Familienschmach wieder wettmachen. In Bolivien erliegt er dem rauen Charme der grünen Hölle und in ihm erwacht regelrechter Forscherdrang. Dieser wird übermächtig, als er glaubt, Spuren einer versunkenen Stadt, die er „Z“ nennt, gefunden zu haben...

So sieht also klassisches 1950er-Jahre-Abenteuer-Kino aus, wenn man es ohne die heute mögliche Tricktechnik und unter fast völligem Verzicht auf überbordende Action verfilmt.Gedreht an Originalschauplätzen, zumeist ohne erkennbares Kunstlicht und dazu noch auf 35mm-Filmmaterial, das zur Sichtung erst immer noch zwischen den Drehtagen entwickelt werden musste – da fragt man sich, wer mehr von dem Abenteuer hatte: die Filmcrew einst oder aber jetzt der Zuschauer? James Grays „Die versunkene Stadt Z“ ist zugegebenermaßen packend, bildgewaltig und auch auf seine Weise spannend, doch leider wird er dennoch kaum ein breites Publikum erreichen, denn dazu ist das mit fiktionaler Handlung aufgepäppelte Bio-Pic um den zu seiner Zeit heiß gehandelten Forscher Fawcett nicht modern genug. Will heißen: „Die versunkene Stadt Z“ ist eben doch nicht unbedingt „Fitzcarraldo trifft auf Indiana Jones“, wie ein anderer Kritiker schrieb, sondern eher so etwas in der Art wie„Lawrence von Arabien“ - nur ohne Wüste, dafür aber motivisch „Marabunta“ (aka „Der nackte Dschungel“) sehr nahe. Man merkt, Cineasten werden mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen, denn die erlesene Kameraarbeit ist es schon alleine wert, für 141 Minuten Sitzefleisch zu entwickeln. Eine Smartphone-Generation, die nur Videos in typischer You-Tube-Länge kennt, wird da eher schmerzhaft abwinken, denn hier ist der Weg nämlich das Ziel und so sollte man sich durchaus auf einige kleinere Längen in der Handlung gefasst machen. Doch gerade der an „Herz der Finsternis“ angelehnte rote Faden der Erzählung und die ganz nebenbei hinterfragten gesellschaftlichen Konventionen macht „Die versunkene Stadt Z“ umso interessanter für (s)ein erwachsenes Publikum. Bildformat: 2,35:1. Mit Charlie Hunman, Robert Pattinson, Sienna Miller, Tom Holland u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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