Franks Bewertung

starstarstar / 9

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

16.11.2017
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Review

von Frank Trebbin

Irgendeine Silvesterfeier. „Jungfrau“ Nico hat sich vorgenommen, endlich zum Schuss zu kommen, doch jede, die er anbaggert, weist ihn wegen seines linkischen Verhaltens ab. Zu später Stunde trifft er auf die ältere Medea, die ihn ohne Umwege mit zu sich nach Hause nimmt. So richtig heimelig ist es dort aber nicht: Kakerlaken huschen übers Gebälk, die Küche ist versifft und im Bad steht ein Kelch voller Blut. Doch weil Nico in seiner Geilheit die Zeichen nicht richtig deuten kann, beginnt für ihn eine Nacht des Grauens, denn Medea hängt einem sinistren Kult an und benötigt Nico als Gebärmaschine für eine nepalesische Gottheit...

Diesen Film muss man selbst gesehen haben, um zu glauben, was man da miterleben darf. Nicht nur, dass es verdammt schwer ist, den gewollten Tabubrecher „Night Of The Virgin“ überhaupt in irgendeine Schublade zu stecken, nein, was da ab der Mittelmarke an Körperflüssigkeiten und Absurditäten förmlich über die Leinwand spritzt, sucht in heutigen Zeiten der Gleichförmigkeit seinesgleichen. José Mojica Marins trifft auf den frühen Peter Jackson trifft auf Alex de la Iglesia trifft auf Dali und Buñuel – alles unterlegt mit „American Pie“-Humor. Nicht umsonst heißt ein Making-Of-Extra auf der Blu-ray „Absurd Stuff“. Ja, absurd ist Roberto San Sebastians mit fast zwei Stunden aber viel zu lang geratener „Night Of The Virgin“ allemal und ohne Frage, doch ob er deshalb ein von Festival zu Festival gereichtes Meisterwerk des Genres sein soll, stelle ich hiermit mal ganz ketzerisch in Frage. Sicherlich, der Film ist schon krass-originell, zu gleichen Teilen aber auch zügellos und fast schon unsortiert. Viele Ideen, allesamt umgesetzt, aber auch irgendwie nicht in eine passende Form gegossen. Ekelgrenzen werden hier nicht wie sonst üblich (nur) durch Gore-Effects ausgetestet sondern am Sperma-Urin-Menstruationsschleim-Fäkalien-Gehalt (fast) im Stile eines überbordenden Fetisch-Pornos – zumal auch auf Dialogebene oftmals nur das F-Wort oder nerviges Herumgeschreie regiert. Da merkt man, dass mit Bedacht und Vorsatz am Skandal gewerkelt wurde; purer Underground-Spaß oder gar Unterhaltung für ein zahlendes Publikum sieht da wahrlich anders aus. Fazit: mehr Feinschliff und aus „Night Of The Virgin“ hätte eine Euro-Phantasmagorie mit subversiven Humor und Vorzeigefunktion werden können. So aber fühlt man sich oft nur auf einem schlechten, nicht enden wollenden Trip. Wer's mag. Bildformat: 2,35:1.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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