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In unregelmäßigen Abständen sehen Männer rot. Charles Bronson und Clint Eastwood waren die Aushängeschilder in den Siebzigern und begründeten ein wenig den Selbstjustizkrimi mit Vergeltungselementen. Die Neuauflage durch Regisseur Eli Roth haucht dem Genre zwar keinen frischen Wind ein, sie sorgt allerdings dafür, dass der in den letzten Jahren oftmals belächelte Bruce Willis wieder ein wenig ernster genommen wird.

Chicago: Unfallchirurg und Familienvater Paul (Willis) erfährt während seiner Nachtschicht im Hospital vom Tod seiner Frau und den schweren Verletzungen seiner Tochter Jordan (Camila Morrone). Als die zuständigen Ermittler (Dean Norris und Kimberly Elise) bei der Suche nach den drei Tätern nicht weiterkommen, entschließt sich Paul, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen…

Nicht zuletzt durch „Hostel“ ist Eli Roth eigentlich fürs Grobschlächtige bekannt, doch hier hält er sich auffallend zurück. Bereits der Überfall durch die drei Maskierten fällt vergleichsweise harmlos aus und ein richtiger Nervenkitzel will sich beim Horror-Szenario Home Invasion nicht einstellen.
Glücklicherweise nimmt sich die Erzählung ein wenig Zeit für Trauerbewältigung und steigt nicht direkt mit dem gnadenlosen Rächer nach Sonnenuntergang ein.
Die Besuche Pauls bei der Therapeutin erhalten indes eine zunehmend zynische Note.

Ähnlich verhält es sich hinsichtlich der Waffengesetze. Einige Szenen mag man durch die Brille der Waffenlobby betrachten, doch anderweitig sind Seitenhiebe wie die blonde Bethany, die nicht nur TV-Spots für Waffen macht, sondern auch prompt im Laden allerlei an den Mann bringt, nicht zu übersehen. Auch die Tatsache, dass über ungeübte Schützen gelächelt wird, tendiert in eine gewisse Richtung.

Was dem Unterfangen leider merklich fehlt, sind Leidenschaft und Herzblut. Dass sich Paul bei vermeintlichen Kriminellen aufwärmt, weil diese Autos klauen oder Drogen an Kids verticken, erscheint relativ belanglos. Bei der Suche nach den drei Tätern kommt ihm indes gleich mehrfach Freund Zufall entgegen, nur so richtig grimmig gehen auch diese Vergeltungsschläge nicht vonstatten. Nur in einer Autowerkstatt schimmert kurzfristig durch, wie weit Roth in Sachen Gewaltdarstellung eigentlich gehen würde, wobei die FSK18 dennoch gerechtfertigt ist.

Obgleich die Antagonisten komplett austauschbar und wenig fies erscheinen, wäre eine stärkere Konzentration auf mehr Action wünschenswert gewesen. Die Ballereien sind durchaus knackig in Szene gesetzt und wenn es schließlich ein wenig derber zugeht, kann sich das ebenfalls sehen lassen. Weniger gelungen ist die teils völlig unpassende musikalische Untermalung zwischen Techno, Hip Hop und Rock, während eine Sequenz mit Split Screen verdeutlicht, wie nahe lebensrettende Maßnahmen und Vorbereitungen für tödliche Einsätze beieinander liegen.

Hauptdarsteller Willis ist bei alledem kein Vorwurf zu machen. Er spult sein Programm routiniert, aber nicht gelangweilt ab, gleiches gilt für Dean Norris als Ermittler. Demgegenüber steht Vincent D'Onofrio als Pauls Bruder beinahe hilflos da, weil ihm das Drehbuch nicht eine gescheite Szene einräumt.
Dieses sorgt letztlich auch dafür, dass insgesamt nicht allzu viel Spannung aufkommt und es trotz soliden Handwerks kaum zu markanten Stimmungsbildern kommt.
Ein Remake, dass die Umsetzung auf die zeitgenössischen Umstände nur bedingt erfüllt und unterm Strich nur leidlich unterhält.
5,5 von 10

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