Selbst vor Ebbing, einer Kleinstadt in Missouri, macht die Gewalt nicht Halt, denn die Tochter von Mildred Hayes, die den örtlichen Souvenirladen betreibt und die wegen einer Jüngeren von ihrem Mann verlassen wurde, ist auf dem Heimweg vergewaltigt und brutal getötet worden. Und weil die Polizei den Täter nicht ermitteln konnte, ist Mildred so verzweifelt, dass sie sich zu einer ungewöhnlichen Maßnahme durchringt: auf drei riesigen Plakatwänden, die an ihrer Zufahrtsstraße stehen, weist sie Polizeichef William Willoughby mit provozierenden Sprüchen auf sein Versagen hin. Willoughby selbst, der an einem Krebsleiden zu sterben droht, kann zwar ein gewisses Verständnis für Mildreds Provokation entgegenbringen, doch sein Deputy Dixon, ein rassistisches Muttersöhnchen, mischt sich ein und so eskaliert der Streit zwischen der verzweifelten Mutter und den örtlichen Ordnungskräften…
Drei Werbetafeln außerhalb von Ebbing, Missouri (was für einen großartigen deutschen Titel doch die Übersetzung gegeben hätte), sind der Auslöser für eine Welle der Empörung, die die angesprochene Kleinstadt und einige ihrer Bewohner letztendlich sogar in eine Spirale der Gewalt hineinzieht. Drei Werbetafeln außerhalb von Ebbing, Missouri, sind der Beginn zu einer fast zweistündigen Tour de Force (und das nicht nur in puncto schon viel besungene schauspielerische Höchstleistungen) in Richtung menschlicher Irrungen und Wirrungen. So ist dann schließlich Martin McDonaghs „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ eine der wirklich großen Überraschungen der letzten Zeit geworden, denn dieser sich ständig im Tonfall ändernde Film ist ein schillerndes Kaleidoskop über die Gefühle, die uns Menschen nun einmal beeinflussen: Liebe und Hass, Freude und Leid, Hoffnung und Verzweiflung, Zuversicht und Angst, aber auch Vergebung und Vergeltung. Obwohl vielerorts mit den Werken der Coen-Brüder verglichen, geht Martin McDonagh trotz einiger tatsächlich nicht zu leugnender Parallelen (z. B. die Schrulligkeit der Kleinstadt) ganz eigene Wege, um sein Drama wendungs- und vor allem lehrreich zu gestalten. Sei es nun der rabenschwarze Humor, der mitunter ordinäre Wortwitz oder gar die Ruppigkeit, mit der hier die Geschichte und ihre Figuren Schicht für Schicht freigelegt werden, alles ist perfekt austariert, nie wird etwas peinlich oder wirkt gar aufgesetzt. Im Gegenteil: die schnörkellose Inszenierung mit ihren mitunter beeindruckenden Breitwand-Bildern ist so unverkrampft ungekünstelt, dass man trotz des Wissens darum, nur einen Film zu sehen, glaubt, doch eigentlich mittendrin zu sein. Voller Griff ins Leben, ein großartige Geschichte, großartiges Kino. Kurzum: ein Film, der leider zu wenige Oscar eingeheimst hat. Bildformat: 2,35:1. Mit Frances McDormand, Sam Rockwell, Caleb Landry Jones, Woody Harrelson u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin