Franks Bewertung

starstarstarstar / 4

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

31.08.2018
505 Mal gelesen

Review

von Frank Trebbin

Fünf Jahre musste Ricky für einen verpatzten Raubüberfall einsitzen. Heute ist er wieder frei und träumt davon, irgendwo im Süden eine eigene kleine Bar zu eröffnen. Um dafür das benötigte Geld aufzubringen, lässt er sich von seinem alten Kumpel Latif, der mittlerweile tief in der Frankfurter Drogenszenen verankert ist, zu einem dieser berüchtigten „letzten“ Aufträge überreden, die ja angeblich immer so todsicher sind. Mit an Bord nimmt Ricky zwangsläufig seinen kleinen Bruder Rafael, der ganz eigene Probleme hat und so steuern die beiden zum Verlieren Geborenen in eine Spirale aus Blut und Gewalt, denn natürlich verläuft das geplante Abziehen eines großen Drogendeals komplett anders…

Ein deutscher Genrefilm, dazu auch noch ein guter. Das allein ist schon erwähnenswert. Der eindeutig von solchen auch international beachteten heimischen TV-Serien wie „4 Blocks“ beeinflusste „Nur Gott kann mich richten“ brilliert durch eine Vielzahl bekannter Gesichter, durch eine trotz gängiger Klischee- und Drama-Beigaben fest in der Realität des Clan-Milieus verankerten Geschichte und durch viel Atmosphäre. Düster, raubeinig und mit erstaunlicher Härte – ganz so wie es einst US-Vorbilder in den 1970er Jahren vorgemacht haben, nur eben ins Hier und Heute der Frankfurter Unterwelt transportiert, wobei nicht einmal das glitzernde Bankenviertel abgelichtet wurde sondern nur Boxerkeller, Hinterhöfe und versiffte Wohnstätten. Ähnlich wie in letzter Zeit „Wir waren Könige“ versucht auch hier Özgür Yıldırım Anspruch und Unterhaltung unter einen Hut zu bringen, ohne dabei die jeweils andere Seite zu verprellen oder gar etwa zaghaft zu sein. Das ist ihm durchweg gelungen, denn „Nur Gott kann mich richten“ ist sowohl spannendes, blutiges Gangster-Kino im Stile eines jungen Scorsese wie auch Charakterstudie über die Zerrissenheit des Helden bei seinem fatalen Versuch, sich von der Drogenszene frei zu strampeln. Obwohl die Logik gerade zum Ende hin arg strapaziert, darf man Özgür Yıldırım, der auch das Drehbuch geschrieben hat, bescheinigen, alles richtig gemacht zu haben, denn wenn sich letztendlich der Rauch verzogen hat und alle Toten betrauert wurden, hat man flotte, konsequente einhundert Genre-Minuten hinter sich, in denen eins ums andere Mal Moritz Bleibtreu, der „Nur Gott kann mich richten“ co-produziert hat, zeigt, wie facettenreich ein handelsüblicher Wut-und-Verzweiflung-Auftritt doch sein kann. Deswegen schon sehenswert. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Kida Khodr Ramadan, Edin Hasanovic, Birgit Minichmayr u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

Details
Ähnliche Filme